Teil 4

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    Vor ihren Augen lag ihr Raumschiff im Hangar. Silbern glänzend, schnell und wendig. Ausgestattet mit der allerfeinsten Technik und den besten Schilden, die man für Credits bekommen konnte. Die Bordgeschütze waren von enormer Feuerkraft und Ihre Crew bestand aus den tollkühnsten Leuten der Galaxis. Allesamt loyal, gewitzt und im Kampf ungeschlagen. Und sie arbeiteten für sie... nicht weil sie dafür bezahlt wurden, sondern weil sie es wollten. Und ihr Captain – eine Fremde – geheimnisvoll, stolz, gerissen, selbstsicher und gefährlich, war nie um eine geistreiche Bemerkung verlegen. Als Pilotin beliebt, von Gegnern gefürchtet. Die Schleusentür zum Raumschiff begann sich langsam zu schliessen und sie hörte das sanfte Summen der Triebwerke kurz vor ihrer Zündung. Der Boden unter ihren Füssen vibrierte und das Schiff hob langsam von Boden ab. Dann bemerkte sie die dicke Glasscheibe vor sich, welche sie von der Startrampe zu ihrem Schiff trennte. Panisch realisiert sie, dass sie nicht an Bord war. Mit den Fäusten hämmerte sie gegen die Trennscheibe und schrie, um sich bemerkbar zu machen. Es war sinnlos. Als die Schutzschilde runtergefahren wurden und ihr Frachter mit einem eleganten Bogen aus dem Raumhafen schoss, ließ Arriss resigniert die Schultern hängen und sank auf die Knie.


    Sie erwachte kurze Zeit später unausgeruht in ihrer kleinen, spärlich eingerichteten Wohnung. Das Kissen hatte Spuren auf ihrer Wange hinterlassen und die Haare standen wüst von ihrem Kopf ab. Als sie merkte, dass sie nur geträumt hatte – mal wieder – seufzte sie schlecht gelaunt und rieb sich die Augen. Ihr eigenes Raumschiff schien weiter entfernt als je zuvor. Wenn ihr jetzt nicht bald irgendetwas einfiel, würde sie wieder am Raumhafen Kisten stapeln müssen. Viel zu lange hatte sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Immer mit der leisen Hoffnung, dass irgendein Captain sie mitnehmen würde. Nach Ord Mantell oder Balmorra vielleicht. In Kriegsgebieten gab es immer Geschäfte zu machen. Auch wenn sie erstmal als Handlanger für irgendjemand arbeiten musste, war es besser als auf Coruscant zu bleiben. Hier an Geld zu kommen, dauerte einfach zu lange. Und ständig kreuzten irgendwelche selbsternannten Gesetzeshüter auf und vermasselten einem die Geschäfte. Ihr Gesicht verfinsterte sich, als sie an die unangenehme Begegnung am Vormittag dachte.


    Seufzend stand sie auf und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Sie brauchte irgendwas zu essen und dann würde sie Dyzz kontaktieren. Vielleicht könnte sie Ihre Schwester überreden mitzukommen. Notfalls auch zurück nach Nar Shaddaa. Ihr Blick fiel auf das aggressive Blinken ihres Holokoms. Sie griff danach und überprüfte, wer sie erreichen wollte.



    Es war Dyzz, stellte sie mit Erleichterung fest. Das Gefühl verschwand jedoch sofort und Unbehagen machte sich in ihr breit. Wie würde sie reagieren wenn sie erfuhr, dass Arriss bis jetzt alles vermasselt hatte? Vermutlich würde sie sich totlachen. Sie seufzte, setzte sich auf den Rand des Sessels und stellte eine sichere Verbindung her. Wenige Momente darauf erschien die Silhouette ihrer Schwester. Sie saß auf einem Stuhl und sah ausdruckslos geradeaus.

    "Hallo Dyzz! Gut, dass du dich meldest.", begann Arriss und plapperte erstmal drauf los. "Hattest du eine

    angenehme Nacht? Meine war definitiv zu kurz. Aber es war ein netter Abend." Sie machte eine Pause und räusperte sich verlegen.
    Von Dyzz knurrte nur ein kurzes Hallo, während sie weiter vor sich hin starrte.

    "Wegen dem kleinen Auftrag von dir ... nun ja ... also es ist nicht ganz so gut gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe." Sie fuhr sich nervös mit der Hand durch die Haare. "Ich wurde völlig überrumpelt. Du weisst, ich kann nicht gut improvisieren. Vielleicht könnten wir irgendwo anders ..."

    Als die Projektion immer noch nicht reagierte, stutzte Arriss. Sie glaubte zu bemerken, wie Dyzz ihr einen eindringlichen Blick zuwarf.
    Irgendetwas stimmte nicht. Dass sie so ruhig dasaß und sich überhaupt nicht regte, passte so gar nicht zu ihr. "Alles in Ordnung mit dir? Tut mir leid, wegen der schlechten Nachricht."

    Eine große Hand legte sich auf die zierliche Schulter ihrer Schwester und ein Mann trat hinter ihr ins Bild. Es war so ziemlich das unangenehmste Exemplar der Gattung Mensch, welches Arriss seit langem gesehen hatte. Neben der massigen Gestalt fiel ihr Blick zuerst auf seinen rechten Arm, den er ärmellos zur Schau stellte. Er war unterhalb der Schulter abgetrennt und durch kybernetische Teile ersetzt worden. Die filigranen, dünnen Metallteile wirkten grotesk an seinem sonst bulligen Körper. Er war riesig und fast ebenso breit. Ein kahlgeschorener Kopf thronte scheinbar halslos auf seinen Schultern. Die Haut war übersät mit Tätowierungen und sein rechtes Ohr fehlte gänzlich. Arriss bemerkte den Blaster in der künstlichen Hand und schluckte. Irgendetwas in ihrer Magengegend zog sich zusammen. Sie starrte den Mann neben ihrer Schwester an und wartete.

    "Ich habe auch schlechte Nachrichten.", sagte der Kerl mit tiefer, ruhiger Stimme. "Du hast also nichts für mich? Das macht mich sehr unglücklich. Deine Schwester hier …", er klopfte mit der Hand auf Dyzz Schulter. Sie verzog schmerzhaft das Gesicht und Arriss fiel erst jetzt auf, dass sie dunkle Flecken im Gesicht hatte. Die Hände hinter ihrem Rücken, waren offensichtlich gefesselt. "... hat mir zugesagt, dass ich bald um einen Haufen Credits reicher bin. Nur hat sie mir verschwiegen, dass sie mit Amateuren zusammenarbeitet." Er grub seine Finger hart in Ihre Schulter und Dyzz schrie auf. "Ich bin sehr, sehr enttäuscht." Er ließ die Schulter los und ihre Schwester sackte in sich zusammen. Sie sah hoch und warf Arriss einen eindringlichen Blick zu, den diese nicht so richtig deuten konnte. Dyzz schüttelte kaum merklich den Kopf.

    „Ich habe einen Vorschlag für dich." Der Schläger betrachtete interessiert seinen Blaster. „Eigentlich wollte ich das still und heimlich lösen, aber meinen Männern ist langweilig. Sie werden sich jetzt um die Sache kümmern. Und wenn ich habe, was ich will, dann überlege ich mir was ich mit der hier mache." Er zeigte mit dem Blaster auf Dyzz.

    "Du solltest dir lieber überlegen was ich mit [i]dir[/i] mache, wenn ich die Gelegenheit kriege.", fauchte Dyzz hinter ihm. Mit einer flinken Bewegung drehte sich der hässliche Kerl um und schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht. Dyzz flog bei dem Treffer zur Seite und schwankte bedrohlich auf ihrem Stuhl.
    Arriss Herz zog sich zusammen als sie hilflos mit ansehen musste wie ihre Schwester sich mühsam wieder aufrappelte.

    „So jung und so rebellisch.", sagte er seufzend zu Dyzz. Dann drehte er sich wieder zu Arriss herum. „Vielleicht sollte ich dir noch eine Chance geben? Wenn du mir vorher bringst was ich will, dann können wir uns über die Freiheit deiner Schwester unterhalten." Er grinste sie schmierig an. „Ich hoffe allerdings, dass du keinen Erfolg hast. Ich habe immer Bedarf an ... neuen Angestellten." Sein Körper bebte, als er laut loslachte.

    Arriss sah verzweifelt von ihm zu Dyzz. Ihre Schwester blickte immer noch wütend zu dem Schläger hoch, ein wenig Blut tropfte aus ihrem Mundwinkel. „Moment!", sagte sie, bevor er die Verbindung unterbrechen konnte. „Was ist, wenn ich habe, was Sie wollen? Wie kann ich Sie erreichen?"

    Er lachte wieder laut los. „Keine Sorge. Ich werde schon erfahren, wenn du schneller als meine Jungs bist. Das wird nicht passieren." Er verschwand lachend aus dem Bild und für einen Moment sahen sich die beiden Schwestern an, Dyzz immer noch hochmütig und wütend. Dann war das Bild verschwunden.




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    Diesmal brauchte Arriss nicht lange fieberhaft überlegen, was sie zur Rettung ihrer Schwester unternehmen sollte. Die Männer des Entführers würden sich gewaltsam Zutritt verschaffen, dessen war sie sich sicher. Es mussten Anhänger der Schwarzen Sonne sein, die herausgefunden hatten, dass Dyzz sich ebenfalls für ihre Belange interessierte. Oder hatte ihre Schwester doch Kontakt mit ihnen gehabt und etwas zugesichert, was sie nicht hatte halten können? Jedenfalls nicht so schnell wie gewünscht. So sehr sie auch darüber nachdachte, ihr fiel nur eine Lösung ein.
    Sie musste sich irgendwo Hilfe holen, mit den Bewahrern im Archiv sprechen und sie warnen ... und auf ihre Unterstützung hoffen. Sie kannte allerdings nur einen Jedi, den sie ansprechen konnte. So sehr ihr das auch missfiel, sie musste wieder mit ihm sprechen. Vielleicht sollte sie aber diesmal näher an der Wahrheit bleiben?
    Leute, die um des Profits willen schlimme Dinge tun? ... ich bin so froh, dass ich niemanden kenne, auf den diese Beschreibung passt! :whistling:

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