Teil 3: Head Start

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  • Ein Kitzeln an der Spitze ihres rechten Leks. Sayouri drehte sich mit geschlossenen Augen um und murmelte: „Noch ein paar Minuten. Ist noch finster.“ Schon war sie wieder eingeschlafen, doch dann wurde sie wieder gekitzelt, diesmal an der Nasenspitze. Ihre Mutter war heute wohl sehr hartnäckig. „Mama, lass mich!“, sagte sie entschlossener als zuvor, öffnete die Augen – und starrte direkt in eines der großen, schwarzen Augen des Pilzkopf-Monsters, das sie am Vortag aus dem Müll gezogen hatte. Mit einem Aufschrei krabbelte sie rückwärts von ihm weg, bis sie an einer Wand anstieß und nicht mehr weiter weg konnte. Zu allem Überfluss kniete das Wesen auch noch zwischen ihr und dem einzigen Ausgang, also kauerte sie sich zusammen, machte sich so klein wie möglich und erwartete das Schlimmste.

    Doch das Wesen mit dem pilzförmigen Gesicht starrte sie nur an, kratzte sich mit dem Saugnapf an einem seiner langen Finger am Kopf, ehe er sich die Hand auf die Brust legte. Mit seinen zwei Mündern klang es merkwürdig zweistimmig, als er sprach: „Chuthwink Eefut.“

    Say runzelte die Stirn und starrte ihn verständnislos an. Er schüttelte den Kopf, deutete wieder auf sich: „Ithorianer.“ Dann richtete er den Finger auf sie. „Twi’lek.“
    Twi’lek! Das hatte sie verstanden, sie war eine Twi’lek! Dann nannte man die Pilzköpfe wohl Ithorianer. Zögerlich nickte sie, was der Ithorianer erwiderte.

    Erneut deutete er auf sich selbst. „Chuthwink Eefut.“

    Die kleine Twi’lek grübelte, was er ihr sagen wollte. Er hatte sich zwar an den Bauch gefasst, als er es erzählt hatte, aber wenn es bedeutete, dass er sie essen wollte, würde er es ihr wohl nicht extra davor erklären. So umständlich konnte nun wirklich niemand sein. Als sie endlich verstand, weitete sie die Augen und nicke. Es war sein Name!

    Ein wenig mutiger ließ sie sich nach vorne sinken, auf die Knie und deutete mit beiden Zeigefingern auf sich selbst. „Sayouri’ryu!“

    Chuthwink nickte, wiederholte ihren Namen, aber es klang vollkommen falsch, so wie er ihn aussprach. Noch ein paar Mal sagte sie ihren Namen und er sprach ihn nach. Besser wurde es allerdings nicht. Schließlich zeigte sie nochmal auf sich: „Say!“

    „Say.“

    Gut genug. Lächelnd nickte sie. Nun erst fiel ihr auf, dass es in ihrem Unterschlupf weit weniger dunkel war als am Vorabend. Hinter Chuthwink glühte etwas, tauchte den Raum in ein seltsam gelbes Licht. Ja, sie war in einem Raum, keiner Höhle. Auch wenn ein Tunnel durch den Müllberg zu ihm führte. Es sah recht ähnlich aus wie im Schiff der Echsenwesen, nur ohne Käfige und dafür mit sehr viel mehr Rost an den Wänden. An der Decke hingen in zwei Ecken gewaltige, metallische Fässer über einem mit einem Geländer abgesperrten Bereich, der mit lauter Krempel vollgepackt war.

    Langsam stand der Ithorianer aus der Hocke auf, von der aus er sie die ganze Zeit betrachtet hatte. Er war groß genug, dass sie bequem unter seinen Beinen durchlaufen konnte, wenn sie wollte. Wie er durch den Tunnel gepasst hatte, konnte sie sich kaum zusammenreimen. Mit zwei langen Schritten ging er an den Eingang, hob den gelb glühenden Würfel an einem Tragegurt vom Boden auf und schritt erneut durch den Raum und eine kurze Treppe zu einer kreisrunden Öffnung hoch, die in einen angrenzenden Raum führte. Mit einem Winken deutete er ihr, ihm zu folgen. Einen kurzen Moment lang schielte Say zum Stollen nach draußen, überlegte, ob es nicht klüger war, das Weite zu suchen. Doch dann schüttelte sie den Kopf, schnappte sich ihren Bantha und die beiden Plastikflaschen und folgte ihm die drei Stufen hoch in eine Art Flur. Rechts war eine Tür, die nur einen Spalt weit offen stand. Viel zu eng, als dass Chuthwink da durchpassen konnte. Gerade aus konnte sie den Fuß einer Treppe in ein höheres Stockwerk erkennen, doch die Treppe war randvoll mit Müll verstopft. Keine Chance, da je hochzukommen. Die eckige Tür zu ihrer linken hingegen stand offen. Durch diese Tür stapfte der Ithorianer, und in einen langen Raum, der auf den ersten Blick nur nach einem weiteren Schrottlager aussah. Auf den zweiten Blick jedoch konnte Say erkennen, dass ein System dahinter steckte. An den langen Wänden des Raums waren offene Regale mit Fächern aufgebaut, auf denen Kisten standen. Kisten, die mit Erde gefüllt waren und in denen allerlei Pilze wuchsen. Say kannte Pilze nur zu gut von ihrer Heimat, und auch wenn sie diese Sorten noch nie in ihrem Leben gesehen hatte, leckte sie sich über die Lippen. Als nächstes fiel ihr der Schlafplatz auf, den der Ithorianer sich am Ende des Raums aufgebaut hatte, wiederum umgeben von vielen größeren Kisten. Auch hier wurden in den meisten Kisten Pilze gezogen, doch ein paar waren auch voll mit anderem Krempel. Eine davon steuerte Chuthwink an, kramte darin herum und zog schließlich einen Helm – nein, einen Kopf heraus. Den Kopf eines Blechmanns! Den ziemlich alten und verrosteten Kopf eines Blechmanns, um genau zu sein. Am unteren Ende des abgetrennten Halses baumelte ein länglicher, rot ummantelter Zylinder an mehreren Stücken Draht. Chuthwink mühte sich ein wenig mit dem Kopf und dem Zylinder ab, drückte immer wieder an einem Knopf auf dem metallenen Hinterkopf, doch nichts tat sich. Schließlich gab er es auf und deutete Say, näher zu kommen. Er deutete erst auf ihre Brust, dann auf seine. Dann mit beiden Zeigefingern auf seine Augen, auf den roten Zylinder und dann auf die Tür nach draußen.

    Say legte den Kopf auf die Seite, rümpfte die Nase und antwortete in unvergleichbarer Eloquenz: „Hä?!“

    Frustriert seufzte Chuthwink und ließ die Schultern hängen. Dann versuchte er es erneut mit den Gesten und sprach diesmal dazu: „Say … Chuthwink … suchen … Energiezelle … draußen.“

    Leider sprach er die Worte immer noch in Basic, also verstand die kleine Twi’lek lediglich die beiden Namen. Sie deutete auf die Energiezelle am Metallkopf und dann nach draußen. Er nickte. Sie griff nach der Energiezelle, riss sie von den Drähten und stürmte los, auf die Tür zu.

    „Say!“, rief er ihr hinterher. Zum Stehen kam sie erst im Rahmen der Tür zu Chuthwinks Zimmer. Ächzend hastete der Ithorianer und griff nach ihrer rechten Hand. Er fühlte sich komisch an, vor allem mit den eigenartigen Saugnäpfen an den Enden seiner Finger. Aber immerhin war er nicht grob. Dieses Mal deutete er mit Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand auf ihre Augen, dann nach draußen und dann auf die Energiezelle in ihren Händchen.

    In ihrem Hirn ratterte es. Augen, sehen … suchen? Augen suchen im Flur? Nein … im Eingang? Im Eingang war genug Gerümpel. So fieberhaft überlegte sie, was er meinen könnte, dass sie gar nicht merkte, wie der Ithorianer sie hoch nahm und zum Tunnel trug, durch den man in den Unterschlupf gelangte. Ein weiteres Mal deutete er auf ihre Augen, zum Tunnel raus und dann auf die Energiezelle. Endlich verstand sie, nickte … und schüttelte dann den Kopf. Sie wollte nicht raus! Draußen waren lauter gemeine Monster mit falschem Wasser und es stank und … und sie bemerkte, wie sie ihm all das auf Ryl erzählt hatte und er sie verständnislos anstarrte. Wie sollte sie ihm all das nur begreiflich machen?

    Stoisch ließ Chuthwink die kleine Lethan neben dem Zugang zum Tunnel auf den Boden, ging selbst auf die Knie, legte sich auf den Bauch und begann, mit dem Droidenkopf in der Hand durch den Tunnel zu robben. Say sah ihm zweifelnd hinterher. Sie wollte da nicht raus. Aber sie wollte auch nicht alleine in dem Unterschlupf zurück bleiben. Außerdem musste doch irgendwer aufpassen, dass Chuthwink nichts passierte! Also krabbelte sie ihm hinterher. Klein genug war sie ja, dass sie sich sehr viel schneller im Tunnel bewegen konnte als ihr neuer Freund. Binnen weniger Sekunden hatte sie aufgeschlossen, tastete voran und stupste gegen einen von Chuths Füßen. Von vorne kam ein seltsames Geräusch: Mehrstimmiges Glucksen. Sie stupste erneut und er gab wieder dieses Geräusch von sich und erhöhte sein Tempo. Bis sie im Freien waren, hatte Say ein Spiel daraus gemacht, dass ihr so sehr gefiel, dass sie mit dem Zeigefingerchen immer noch nach seinen Füßen pikste, als er schon längst aufrecht stand. Er bückte sich, griff nach ihren Händen und schüttelte den Kopf. „Say, nein!“

    „Nein?“

    „Nein!“

    Was auch immer „nein“ bedeutete. Ihr Unverständnis musste klar sichtbar gewesen sein, denn er deutete wieder auf die Energiezelle, die sie sich während des Krabbelns unter ihren Arm geklemmt hatte. Als nächstes deutete er auf die Müllberge, die sich um sie herum ausbreiteten. Sie sollte also eindeutig nach so einem komischen Ding suchen. Zwar hatte sie keine Ahnung, wozu, aber trotzdem lief sie los und begann, wahllos größere und kleinere Altmetall-Teile umzudrehen und darunter nach weiteren roten Zylindern zu kramen. Chuthwink hatte Mühe, hinterher zu kommen, hielt aber auch selbst die Augen offen. Ab und an zeigte sie ihm Funde, doch irgendwie schien keiner davon richtig zu sein. Als sie frustrierter wurde und begann, sich zu langweilen, versuchte sie wieder, seine Füße zu piksen, doch er schob sie jedes Mal mit einem weiteren „Nein!“ von sich weg und auf den nächsten Müllhaufen zu.

    Auf diese Art und Weise verbrachten sie den restlichen Vormittag. Die meiste Zeit schaffte Chuthwink es, Say und sich selbst von anderen Schrottplatzbewohnern fernzuhalten. Nur einmal kam ein Duo näher. Der Kaktus und der blauhäutige Glatzkopf vom Vortag, die Say beklaut hatte. Geistesgegenwärtig ließ Chuchtwink einfach seinen Mantel auf die kleine Twi’lek fallen und drückte sie flach auf den Boden. Sie verharrte in dieser Stellung, während die beiden sich kurz und mit rauen Stimmen mit dem Ithorianer unterhielten. Erst als Chuthwink den Mantel anhob, wagte sie wieder, sich zu rühren und mit der Suche fortzufahren. Nach dieser Begegnung war der Ithorianer vorsichtiger, ja, sogar nervöser. Bis Say ihm einen passenden, roten Zylinder unter die Nase hielt. Er betrachtete sie, griff nach der Energiezelle und schloss sie an den Metallkopf an. Es dauerte ein wenig, bis er damit fertig war und auf den Knopf am Hinterkopf drückte. Mit einem Mal leuchteten die großen Augen des Metallkopfs auf und er stieß einen Schrei aus – bis Chuthwink ihm die Hand vor den Mund hielt und auf ihn einredete. Dann drehte er den Metallkopf vorsichtig zu Say, nahm die Hand weg und reichte ihn ihr.

    Sayouri starrte den Kopf an und der Kopf starrte zurück. Und dann sprach er. Und zwar in Worten, die sie verstand! „Ich bitte vielmals um Verzeihung für diese Überreaktion. Ich bin nicht gewohnt, ohne Körper aufzuwachen. Mein Name ist F4-P1. Master Chuthwink möchte, dass ich für dich übersetze und dir Basic beibringe.“

    Verblüfft starrte sie ihn an, antwortete aber nicht. So lange, dass Chuthwink besorgt zu dem Droiden hinab sah, etwas sagte und den Metallkopf übersetzen ließ: „Hast du verstanden? Oder waren das die falschen Worte?“

    Dann erst nickte die kleine Say, begann zu lächeln und dann zu strahlen. „Ja! Ja, ich hab verstanden! Ich versteh dich! Ich-“

    „Oy, Chuthwink!“, wurde sie jäh unterbrochen. Der Kaktus kam noch einmal um den Müllberg, an dessen Fuß sie standen. Er wollte noch etwas sagen, entdeckte dann aber die kleine Twi’lek und begann zu grinsen.
    Der Ithorianer fuhr auf den Ruf hin herum, starrte den Nikto an, sah dann zu Say hinab und sagte ein einziges Wort, das F4 sofort übersetzte: „Lauf!“
    ~~~~~~~≈≈ SayNey says yay! ≈≈~~~~~~~

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