Teil 5

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    Das Taxi hatte sie weit oben auf einer Plattform abgesetzt, welche viele Gebäude Coruscants überragte. Der Himmel war in feuriges Rot und Orange getaucht, da es bereits zu dämmern begann. Von der ovalen Rampe hatte man eine atemberaubende Aussicht, für die sie allerdings im Moment nicht viel übrig hatte. Auf ein Geländer, oder eine Art Absperrung vor dem Abgrund, hatte man verzichtet. Sie vermied es, zu dicht an den Rand zu treten und folgte den Lampen der Startrampe zu einer Aufzugstür. Alles war elegant und schlicht gehalten. Es erinnerte ein wenig an das Senatsgebäude, oder vielmehr an den Platz davor, da sie den Senat natürlich noch nie betreten hatte. Rechts und links über der Fahrstuhltür waren zwei Kameras angebracht. Sie blickte nach oben und versuchte ein freundliches Gesicht zu machen. Die Aufzugtüren schwangen lautlos auf und ließen sie eintreten. Genauso schnell und leise schlossen sie sich hinter ihr wieder. Arriss schürzte die Lippen und sah sich unbehaglich um. Sie fühlte sich beobachtet. Nicht unbegründet, wie sich herausstellte, als ein nervös flackerndes Licht sie von oben bis unten abtastete und einem Scan unterzog. Obwohl sie mit dem Schlimmsten rechnete, setzte sich die Kabine nach ein paar Sekunden mit einem leisen Summen in Bewegung. Ob nach oben oder unten, war nicht auszumachen. Wenige Augenblicke später öffneten sich die Türen wieder und sie trat in eine Art Empfangszimmer. Es war nicht allzu groß, hatte aber eine Fensterfront von der aus man wieder die untergehende Sonne sehen konnte.

    Als sie sich umsah stellte sie fest, dass sie nicht allein im Raum war. Drei beeindruckend große Droiden waren an den Seiten aufgestellt und wirkten ein wenig fehl am Platz in dem sonst so ruhigen, angenehm gestalteten Raum. Außerdem waren noch eine gelangweilt aussehende Frau hinter einem Schreibtisch und zwei Wachen in Rüstung anwesend. Diese waren zu beiden Seiten des einzig anderen Ausgangs postiert. Arriss sah sich ein wenig ratlos um, als die Frau sich geräuschvoll räusperte.


    "Kann ich vielleicht weiterhelfen?", fragte sie, blickte von einem Datenpad hoch und setzte ein kühles Lächeln auf.


    Arriss schluckte und versuchte unbeeindruckt auszusehen. "Ich möchte gerne zu... ", weiter kam sie nicht und die Frau fiel ihr ins Wort.


    "Bitte melden Sie sich dort am Terminal an und es wird jemand zu ihnen kommen. Ach, und die Waffen...", die Dame nickte mit dem Kopf in Richtung des Blasters, der an ihrer Hüfte baumelte, "...müssen Sie hierlassen." Sie deutete auf eine Kiste an der Ecke ihres Schreibtischs. Damit schien die Sache erledigt und sie widmete sich wieder voll konzentriert ihrem Pad.


    Die Chiss warf der Frau noch einen kurzen Blick zu und legte ihren alten Blaster in die Box. Dann drehte sie sich um und hielt nach dem Terminal Ausschau. Es befand sich neben den Wachen vor der anderen Tür. Zu ihrer Erleichterung stellte sie fest, dass die Anmeldung auch nicht schwieriger war als bei anderen offiziellen Gebäuden. Man musste sich ausweisen und nach einem erneuten Scan noch den Grund des Besuchs angeben. Als sie alles eingegeben hatte, trat sie zurück und wartete. Die Wachen standen teilnahmslos herum, einer lehnte sich gelangweilt an die Wand. Der andere beobachtete sie neugierig und meinte dann: "Gehen sie ruhig durch und warten auf dem Flur. Es wird sicher jeden Augenblick jemand kommen und Sie in Empfang nehmen."


    "Danke", murmelte Arriss und trat durch die Tür. "Nicht besonders aufregend hier, was? Könnte sich bald ändern...", sagte sie leise außer Hörweite der Wachen.


    Sie stand nun auf einem Flur von dem mehrere Türen abgingen, alle waren geschlossen. Ihr blieb nichts anderes übrig als stehenzubleiben und zu warten. Unruhe stieg in ihr auf und sie begann nervös auf und ab zu marschieren. Es war so still, dass ihre Schritte viel zu laut von den Wänden hallten. Lange dauerte es nicht, bis links von ihr eine Tür aufschwang, welche den Blick auf ein Treppenhaus freigab. Stufen führten in einem großzügigen Bogen nach oben. Kurz überlegte sie, ob es eine Aufforderung war hinaufzugehen. Die Entscheidung wurde ihr abgenommen, als ein junger Chiss in Schülerroben mit schnellen Schritten die Stufen hinabsprang. Sie erkannte ihn sofort wieder.

    Er blieb mit etwas Abstand vor ihr stehen und deutete höflich eine leichte Verbeugung an. Dann sah er sie mit ausdrucksloser Miene an.


    "Guten Abend, ich habe nicht gedacht Euch so schnell wiederzusehen.", sagte er leise.


    "Ja ... guten Abend.", sie räusperte sich, aus Angst ihre Stimme könnte versagen. "Ich weiss nicht so richtig, wie ich anfangen soll. Es tut mir wirklich leid, wegen heute Morgen, ich hätte nicht lügen sollen." Ihr Herz klopfte bis zum Hals und sie wich seinem Blick aus. "Vielleicht sollte ich versuchen, das alles zu erklären, ich hoffe es ist noch nicht zu spät dafür und Ihr hört mir zu."


    Er lehnte sich an die Wand, die Arme vor der Brust verschränkt, sagte aber immer noch nichts. Arriss glaubte, ein amüsiertes Blitzen in seinen Augen zu erkennen. Oder vielleicht hoffte sie es nur.


    Sie holte tief Luft und ließ dann die Schultern hängen. "Es geht wirklich um ein Artefakt. Meine Schwester... sie hat einen sehr zweifelhaften Auftrag angenommen. Sie hat ein Händchen dafür, sich Ärger aufzuhalsen. Dieses Artefakt ... weil ich die Informationen darüber nicht besorgen konnte, hat man sie entführt." Jetzt plapperte Arriss verzweifelt drauf los. "Ich weiß, das ist nicht Euer Problem. Dyzz hat sich mit sehr seltsamen Leuten angelegt ... die schwarze Sonne. Jetzt wurde sie geschnappt und die halten sie fest, bis sie haben was sie wollen. Sie werden sich jetzt selbst darum kümmern." Atemlos stand sie da und wartete auf die Reaktion des jungen Jedis.


    Der wiederum starrte sie ein wenig ungläubig an. Langsam löste er sich von der Wand und kam auf sie zu. Er baute sich vor ihr auf, seine Stimme wurde ernst. "Wenn ich ehrlich bin, hört sich das genauso unglaubwürdig an, wie die erste Geschichte. Ist das alles hier ein Witz? Oder vielleicht ein Test?"


    Arriss hob den Kopf und warf ihm einen leicht säuerlichen Blick zu. "Das ist die Wahrheit! Ich kann es ... Moment, ich hab hier die Nachricht von meiner Schwester. Vielleicht glaubt ihr mir dann." Sie zog ihr Datenpad heraus, rief die Notiz von Dyzz auf und reichte es Tho'sam. "Ich weiss nicht, was ich tun soll, ich brauche Hilfe. Immerhin geht es um irgendein verstaubtes Teil in Eurem Besitz."


    Tho studierte die Nachricht eine Weile und reichte ihr dann das Pad zurück. Er schob sich nachdenklich eine Haarsträhne hinters Ohr. "Von so einem Artefakt habe ich noch nie gehört und ich hätte es bestimmt gewusst, wenn es hier wäre."


    Mit großen Augen sah sie ihn an und versuchte zu begreifen was er gerade gesagt hatte. "Aber ...", brachte sie heraus, ihre Stimme klang unnatürlich hoch, "… wenn es nicht hier ist, wo dann?"


    Der Jedi zog die Schultern hoch und hob entschuldigend die Hände. Er sah schon wieder so aus, als müsste er sich das Lachen verkneifen. Arriss fühlte Wut und Verzweiflung in sich aufsteigen. "Die Sonne glaubt aber, dass es hier ist. Und sie werden hierher kommen!" Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. "Und wenn sie nicht finden was sie suchen, denken sie, ich habe es!"


    "Wenn es Euch beruhigt, ich denke nicht, dass irgendjemand hier einfach so hereinspaziert. Wir sind einigermaßen vorbereitet. Außerdem gibt es hier eh nichts zu holen."


    "Aber sie werden es versuchen, davon bin ich überzeugt! Sie werden heute kommen. Und sie werden meine Schwester umbringen, wenn sie nicht kriegen, was sie wollen." Ihre Stimme wurde immer lauter. "Ein widerlicher Kerl hat mich kontaktiert und eine Art Wettstreit daraus gemacht. Er glaubt ich sei wohl eine Art Meisterdieb oder sowas ... vermutlich hat Dyzz ihm das aufgetischt."


    "Eure Schwester ist auch Händlerin?", fragte Tho'sam und rieb sich nachdenklich das Kinn.


    "Ähm ... nun ja ... nicht wirklich. Tut das etwas zur Sache? Sie steckt in Schwierigkeiten, das ist doch wohl das Wichtigste im Moment, oder?", erwiderte sie hastig und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.


    "Ja, im Augenblick schon. Aber sie arbeitet für gewöhnlich nicht für die schwarze Sonne?"


    "Nein, hat sie auch noch nie! Das ist alles ein unglücklicher Zufall."


    "Ich denke es ist das Beste, wenn ich meinen Meister kontaktiere. Nur für den Fall, dass sich irgendjemand wirklich hier Zutritt verschaffen will." Er drehte sich um und wollte zum Treppenaufgang gehen.


    "Ist er denn nicht hier?", fragte sie und ging ihm hastig hinterher.


    Die Unterhaltung wurde abrupt unterbrochen, als plötzlich der Flur in rotes Licht getaucht wurde. Kein sanftes, ruhiges Dunkelrot, sondern eher ein eindringliches, alarmierendes Rot.


    "Ist das ... ein Alarm?", fragte Arriss beunruhigt. Hinter ihr schlossen sich die Türen zum Foyer.


    Tho‘sam sah sich unsicher um. "Ich denke schon. Ich habe sowas noch nie hier erlebt. Wir sollten verschwinden." Damit packte er ihr Handgelenk und zog sie hinter sich die Treppenstufen hoch. Arriss folgte ihm ohne großen Widerstand. Oben angekommen, wandte er sich nach rechts und eilte durch eine weitere Tür. Zuerst dachte Arriss, sie würden ins Freie treten. Der Raum war groß und die vielen, riesigen Bäume und Sträucher verschiedenster Herkunft waren das erste, was ihr auffiel. Es war wärmer hier als im unteren Stockwerk und die Luft roch nach Erde und Pflanzen. Der Jedi hatte immer noch die Hand fest um ihren Arm geschlossen und führte sie durch einen kleinen Gang zu einem Platz in der Mitte. Vereinzelte Lampen tauchen den Bereich in ein angenehm warmes Licht. Vier Schüler saßen mit geschlossenen Augen und gekreuzten Beinen auf dem Boden und meditierten. Alle waren noch sehr jung und in die gleichen Roben gekleidet wie Tho'sam. Ihr Begleiter ließ sie stehen und sprach zu einem älteren Jedi, welcher ihr einen neugierigen Blick zuwarf. Sie versuchte dem zu entgehen und drehte sich stattdessen zu den Schülern um. Was hinter ihnen zuerst wie eine dunkle Wand ausgesehen hatte, entpuppte sich als ein gewaltiges Fenster, das die gesamte Fläche einnahm. Sie trat an die Scheibe und blickte hinaus in die Dunkelheit. Es waren schon ein paar Sterne zu sehen. Arriss aber sah nach unten wo sie auf einen hell erleuchteten Balkon blickte. Zu jeder anderen Zeit wäre es ein wunderschön gestalteter Garten gewesen. Jetzt jedoch waren dort drei Gleiter geparkt, aus denen gerade einige dunkel gekleidete Gestalten stiegen.


    "Äh... Meister Jedi?", begann sie ohne sich umzudrehen. "Das solltet Ihr euch ansehen." Als sie keine Antwort bekam drehte sie sich um und ging einige Schritte zurück. Die beiden Jedi waren in ein Gespräch vertieft. "Entschuldigung? Wir kriegen Besuch...sie sind da!", rief sie drängender und deutete auf das Fenster hinter sich.


    Tho'sam horchte auf und sprang mit wenigen Schritten an ihr vorbei. Er schaute ebenfalls nach unten. "Nun, dann wissen wir jetzt, dass es die Wahrheit war. Zumindest was den Angriff auf den Orden betrifft." Er lächelte sie schief an und schien keineswegs beunruhigt.


    Arriss verstand seine Ruhe nicht und rannte wieder zum Fenster. "Wo bleibt denn die Verstärkung? Sind das hier alle, die das Gebäude schützen?"


    "Im Moment ja.", er legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. "Ich werde meinen Meister kontaktieren. Macht Euch keine Sorgen, die werden hier nicht reinkommen." Damit entfernte er sich einige Schritte von ihr und zog ein Holokom hervor. Die Schüler wurden mittlerweile eingesammelt und durch einen anderen Ausgang hinausgebracht, der hinter den Pflanzen verborgen war.


    "Euer Vertrauen möchte ich haben!" Arriss stand mit offenem Mund da und beobachtete Tho'sam, während er auf eine Antwort seines Meisters wartete. Plötzlich knallte etwas hinter ihr an die Scheibe. Sie erschrak, duckte sich automatisch. Zwei weitere Male prallte etwas gegen das Fenster. Arriss drehte sich langsam um. Drei metallene Gegenstände hatten sich von außen an das Glas geheftet. Mit weit aufgerissenen Augen stolperte sie rückwärts. "Was zur Hölle ist das?", rief sie. Als es an den drei Stellen am Fenster zu blinken begann, schien sie zu begreifen, drehte sich um und rannte.


    Weit kam sie nicht. Sie fühlte, wie etwas sie packte und unsanft zu Boden schleuderte. Hart landete sie hinter einem riesigen Kasten mit Pflanzen. "Runter!", hörte sie die Stimme des Chiss, der sich halb auf sie warf, während hinter ihm die Scheibe mit einem lauten Krachen in Millionen Stücke zerbrach.
    Leute, die um des Profits willen schlimme Dinge tun? ... ich bin so froh, dass ich niemanden kenne, auf den diese Beschreibung passt! :whistling:

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