Die Idee der Macht und die Prinzipien der Jedi (Artikel, Andenus Dexter)

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  • IC-Artikel zur philosophischen Betrachtung der Macht und ihrer Prinzipien.

    Dexter, Andenus (6 NVC): Die Idee der Macht und die Prinzipien der Jedi – Das Höhlengleichnis des Jedi-Meisters Tan'Pol in der Moderne. Wiederveröffentichung im Philosopher's Monthly 11/14
    Philosopher’s Monthly, Ausgabe 11/14 NVC

    Chefredaktion schrieb:

    Ein paar Worte der Chefredaktion...

    Liebe Leser,
    es hat sich ja als schöne Tradition herauskristallisiert immer wieder mal einen älteren Artikel wieder in die aktuelle Ausgabe aufzunehmen. Diesen Monat möchten wir einen Artikel eines Jedi wieder ausgraben, der vor acht Jahren (Ausgabe 11/6 NVC) bei uns veröffentlich wurde. Andenus Dexter war damals noch ein Jedi-Padawan und hat es heute sogar bis zum Jedi-Ritter gebracht, wofür ihm die Redaktion natürlich ganz herzliche Glückwünsche aussprechen möchte.
    In seinem Artikel fasst er eine wissenschaftliche Arbeit zusammen, die er unter dem Titel „Die Idee der Macht und die Prinzipien der Jedi – Das Höhlengleichnis des Jedi-Meisters Tan'Pol in der Moderne“ veröffentlich hat. Mein Dank gilt dem Jedi-Orden, der eine weitere Veröffentlichung zugelassen hat.
    Doch genug meiner Worte, viel Spaß bei der Lektüre
    Ihre Kathra Ssekundi – Chefredakteurin von Philosopher’s Monthly

    Meister Tan'Pols Höhlengleichnis gehört wohl zu den bekanntes Gleichnissen der Philosophie. Und es wird heute noch jedem jungen Jedi beigebracht, fast tausend Jahre nachdem es verfasst wurde. Es gehört zu der Basis einer Jediausbildung, doch lassen sich seine Ideen auch auf jeden Nicht-Jedi beziehen. Ich möchte das Gleichnis kurz skizzieren, bevor ich zu einer Analyse bzw. Interpretation ansetze:

    Das Wesen (Anm. A.D. Tan'pol spricht immer vom Wesen, um wohl einen Fokus auf die Rasse des Menschen zu vermeiden) ist in einer Höhle gefesselt – er kann sich nicht bewegen und kann nur die Steinwand vor sich sehen. Hinter ihm ist eine kleine Mauer und hinter dieser wieder eine Flamme. Nun laufen immer Leute vor der Fackel (hinter der Mauer) vorbei und tragen Gegenstände auf dem Kopf. Der Gefesselte, der ja seinen Kopf nicht bewegen kann, sieht nur die Schatten der Gegenstände, die die Fackel auf die Steinmauer wirft, aber nie die Schatten der Menschen, da diese die Mauer verbirgt. Für den Gefesselten sind also die Schatten Realität, weil er nie etwas anderes gekannt hat. Wird das gefesselte Wesen aber befreit, so bemerkt es, dass es nur Schatten gesehen hat und sieht die Gegenstände was sie wirklich sind. Arbeitet er sich nun aus der Höhle hinaus und kommt der Oberfläche näher und näher, sieht er mehr und kann er mehr Konturen erkennen. Tritt er dann ans Tageslicht wird er von der Sonne geblendet und sieht zum ersten Mal die Natur, wie sie wirklich ist. Er kann Bäume sehen, einen See und natürlich die Sonne, die ihn blendet und alles erst sichtbar macht.

    Meister Tan'pol erläutert daraufhin das Gleichnis: Das Wesen sind wir alle, und wir nehmen nur die Schatten der realen Welt war. Erst wenn wir befreit werden, können wir erkennen wie die Welt wirklich ist. Die Sonne stellt die Helle Seite der Macht dar, das absolute Gute. Mithilfe der Macht können wir erst die die Wirklichkeit in Ihrer Schönheit erkennen. Die Dunkle Seite der Macht zeigt sich innerhalb der Höhle: Die Fackel; sie produziert zwar Licht, wird aber nur dazu genutzt Leute in Ketten, in Unwissenheit und Unfreiheit zu halten. Die Sith nutzen dieses Licht geschickt, indem sie immer wieder etwas preisgeben, es sind aber nur Schatten der Wirklichkeit. Die Leute dort sind die Sith. Derjenige der die Sonne (das absolute Gute, die helle Seite der Macht) geschaut hat, spürt nun die Verpflichtung zurückzukehren und im Kampf mit den „Verbergern“ andere zu befreien. Das sei die Aufgabe der Jedi.

    Noch immer steckt sehr viel Wahrheit in den Worten des Jedi-Meisters. Er bezog sich allerdings hauptsächlich auf die Jedi als er von dem befreiten Wesen sprach, die das Wissen verbreiten müssen und andere befreien soll. Ich möchte das gerne erweitern, da ich glaube, dass sich das auf alle Lebewesen im Kosmos übertragen lässt. Nur durch die lebendige Macht können wir alles um uns herum begreifen und jeder einzelne ist dazu aufgefordert sich einerseits befreien zu lassen und andererseits besitzt jeder die Verantwortung zurückzukehren und andere zu befreien. Die Jedi haben natürlich einen besonderen Zugang zu Macht, aber die Macht wirkt durch alle und alle sollten sich dem stellen.

    In einem anderen Aufsatz erläutert Meister Tan'pol das Bild der Sonne deutlicher und leistet damit einen herausragenden Dienst innerhalb der Erkenntnistheorie (vgl. Abb.1).


    Abb.1

    Für Meister Tan'pol war die Macht (insbesondere die helle Seite der Macht) der oberste Grund warum wir Dinge sehen und begreifen können. Für ihn unterteilt sich die Welt in Sichtbares und Erkennbares. Zwar werden beide Welten von der Macht erfahrbar gemacht, aber Wahrheit gibt es nur in der geistigen Welt. Wer erkennen möchte, muss über das Sichtbare hinaus schauen. Dem Guten kommt eine Sonderrolle zu. Durch diese Geisteshaltung und gute Taten sind wir Fähig Licht zu schaffen und die Welt sichtbar zu machen. Doch auch nur durch den (moralisch) guten Verstand lässt sich Wahrheit in der geistigen Welt erkennen.
    Ich habe in meiner Arbeit einen Transfer versucht. Ich möchte Meister Tan'pol Ideen von der Markoebene auf die Mikroebene übertragen und sie mit dem Kodex der Jedi verbinden. Die Macht der hellen Seite bedingt auch in diesem Bild das Gute, doch das Gute hat nun direkten Einfluss auf die helle Seite der Macht. Das eine ist nicht ohne das andere zu denken. Viel Gutes stärkt die helle Seite, Schlechtes schwächt sie (das ist ein explosiver Gedanke – dass die Macht nicht nur uns beeinflusst, sondern wir die Macht; weitere Forschungen zu diesem Thema sind empfehlenswert). In jedem Fall hat die helle Seite der Macht und das Gute einen starken Bezug zu den vier Prinzipien, den die alten Jedi schon im Kodex aufgeschrieben haben. Wie Meister Tan'pol von einer sichtbaren und geistigen Welt ausgeht, möchte ich die Welt des Individuums in einer äußere und eine innere unterteilen. Die äußere Welt wird durch die Prinzipien von Frieden und Wissen getragen, die durch die helle Seite der Macht und das Gute bedingt werden. Diese beiden Prinzipien stellen das Fundament dar wie die Jedi mit der äußeren Welt interagieren. Das Streben nach Frieden und Wissen ist demnach für einen Jedi konstituierend, um Gutes zu tun und letztendlich der Macht zu dienen.


    Abb.2

    Gelassenheit und Harmonie stellen eine innere Verfasstheit dar, mit der man der äußeren Welt entgegen treten sollte um im Einklang mit dem Guten und der hellen Seite der Macht zu stehen. Sie helfen die äußeren Prinzipien zu erlangen und sind der Garant für glückliches Leben (inwieweit das so ist, bedarf noch weiterer Forschung).
    Während Meister Tan'pol seine beiden Welten scharf trennt und eine deutliche Präferenz für die geistige Welt hegt, möchte ich die beiden Welten als sich ergänzend betrachten und als solche, von denen keine besser als die andere ist. Es ist vielmehr ein Zusammenspiel des Inneren und des Äußeren durch das Tun von Gutem, das dieses Gleichnis ausmacht.
    Wie ich eingangs erwähnte denke ich das Meister Tan'pol Gleichnis auch für jeden Nicht-Jedi eine Bereicherung darstellt. So soll das auch mit diesem Bild sein: Es ist zwar der Jedi-Kodex, auf den das Bild aufbaut, aber die Prinzipien sind für jedermann erreichbar und sollten es auch sein. Ich sehe es sogar als moralisches Gebot an, dass ein jeder nach Wissen und Frieden strebt und sich bemüht gelassen und harmonisch zu sein, unabhängig ob er Jedi ist oder nicht.
    Besonders im Angesicht der dunklen Seite, der Sith, derjenigen, die verbergen, um Wesen anzuketten sind diese Prinzipien von elementarer Bedeutung. Und wir alle sollten etwas dafür tun, um diesen nicht das Feld zu überlassen.

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