[RP] [Story] Ein Bastard namens...Garrde

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    • [RP] [Story] Ein Bastard namens...Garrde

      So, für den, den es interessiert, der findet den bisherige Thread hier

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      Das zweite Treffen mit den Jedi verlief anders als
      erwartet. Wahrscheinlich waren ihre Erwartungen auch einfach nur zu hoch
      gesteckt. Zunächst musste sie die Jedi entsprechend einlullen, heute war auch
      der andere Jedi anwesend, Meister Kreyma Magejin. Aber während Meisterin Eryada
      zumindest recht aufgeschlossen gewirkt hatte, schien er von der Idee, ihr zu
      zeigen wie sie die helle Seite der Macht unter ihren Willen zwingen konnte, weniger
      begeistert zu sein. Er hatte doch alle ernstes als Bedingung gestellt, dass sie
      dem Orden der Sith, der dunklen Seite der Macht den Rücken kehren, sowie dem
      Jediorden beitreten muss, bevor er bereit war ihr etwas beizubringen. Eine Unverschämtheit
      für sich selbst genommen und widersprach ganz klar dem Deal mit Hersh.
      Zumindest zeigte er damit die wahre Natur der Jedi und strafte Meisterin
      Eryadas Worte Lügen, dass die Jedi gerne helfen um des helfen Willens. Aber der
      Gedanke war von vornherein absurd gewesen. Vielleicht haben sie auch nur
      mitbekommen, dass ihr Marketing bei ihr nicht funktionierte und hatten deshalb
      die Taktik gewechselt, sie musste vorsichtig sein.

      Begründet wurde dies damit, dass es nicht möglich war die
      helle und die dunkle Seite der Macht gleichzeitig zu verwenden. Manchmal fragte
      sie sich, für wie dämlich sie alle Leute eigentlich halten mussten. Natürlich
      war dies nicht möglich, sie konnte schließlich auch nicht gleichzeitig zornig
      und glücklich sein. Im Prinzip war die Macht einfach ein Werkzeug, und je
      nachdem was für eine Schraube sie in ihrem Leben festdrehen wollte, benötigte
      sie halt einen Schlitz- oder Kreuzschlitzschraubendreher. Gut, nach Concabille
      gab es nur einen Universalschraubendreher, oder die Schraube existierte nicht…irgendwie
      so…das war ihr aber noch zu schwer zu fassen, als würde sie weiterhin nicht in
      der Macht denken, sondern diese gedanklich in hell und dunkel aufteilen. Und die
      Teile später zusammenfügen, die Gemeinsamkeiten suchen. Immerhin hatte Concabille
      auch zunächst die beiden Seiten kennengelernt, bevor sie begriffen hatte, dass
      es keine zwei Seiten gibt. Echt verwirrend, aber sie hoffte, dass sich das
      Mysterium beizeiten lüftete.

      Zumindest besaß Concabille ein super Zeitgefühl. Die
      Gespräche waren richtig ins stocken geraten, als sie unangekündigt vor dem
      kleinen Raum in der Bibliothek eintraf, indem sie sich mit den Jedi getroffen
      hatte. Darauf flogen richtig die Fetzen, in denen Conca die wütende Sithmama
      spielte, die es gar nicht mochte, dass sich ihr Schützling mit den Jedi abgab,
      während sie selbst das trotzige, unterdrückte Kind zum besten gab, was sich
      bewusst dagegen stemmte. Wenig überraschen war, dass sich die Jedi
      zurückhielten und abgesehen von ein paar schwachen Sätzen ihr echt keine
      Unterstützung boten und stattdessen bevorzugten den Raum zu verlassen, damit
      die beiden es selbst regeln konnten. Allmählich bekamen sie und Concabille echt
      Übung darin eine Show aufzuziehen und damit andere an der Nase herumzuführen,
      darin waren sie ein echt gutes Team. Und wie meistens basierte das Ganze auf
      der Wahrheit, Darth Aroval führte etwas im Schilde und auf die unweigerliche
      Auseinandersetzung mit ihm, wollte sie sich auch vorbereiten. Das noch weitere
      Motivationen hinter ihrem Anliegen lagen, musste sie den Jedi und auch sonst
      niemanden ja nicht erzählen, dass hätte ihre Mission auch gefährdet. Genauso
      das Darth Aroval über ihre Schritte informiert war, musste sie ihnen nicht
      sagen, die hypothetische Frage „was glaubt ihr, was er mit mir macht, wenn er
      das herausfindet?“ hatte bisher jede weitere Nachfrage im Keim erstickt.

      Immerhin konnte sie Meisterin Eryada die Zusage
      abschwatzen, dass sie ihr dabei helfen würde, die helle Seite der Macht zu
      ergründen. Natürlich würde sie den Weg der Jedi nicht gehen können, aber sie
      war auch eine Sith, sie würde ihren eigenen Weg finden müssen. Die Jedi
      brauchte sie nur, um es zu verstehen und in einem nächsten Schritt für sich
      selbst adaptieren zu können. Und nun war ihre erste Aufgabe Meditation zu üben,
      sich von allen Dingen zu lösen und an nichts zu denken…sie musste unbedingt mit
      Ishijani sprechen. Zwar fand sie das ihre erste Meditation ein Bombenerfolg
      war, aber anstatt alles loszulassen, hatte sie ihr selbst viel mehr auf einen
      Aspekt konzentriert. Und das war vermutlich nicht ganz das, was die Jedi im
      Blick hatten.

      Aber die Meditationsübung musste jetzt noch etwas warten.
      Ihr Blick schweifte kurz über die weiß getünchten Krankenhauswände. Jetzt galt
      es erst mal abzuwarten wie es mit Shanni weiterging, die in hohem Bogen von
      ihrer Echse gefallen war und jetzt irgendwie in vor einem Jahr lebte. Amon
      hatte sie ins Thul-Memorial-Hospital gebracht und irgendwie befürchtete sie,
      dass was auch immer er vor hatte, ein Fiasko nach sich ziehen würde. Er wollte
      einfach immer alles jetzt und sofort und war einfach nicht bereit, Geduld aufzubringen
      um alle Spielsteine zunächst in Position zu bringen.

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    • Nein- Concabille hatte nicht gedacht, dass aus dem Gerede der jungen Garrde sich mit Jedi zu treffen je etwas werden würde. Erkannte Sheysa denn nicht, in welche Lage sie sich und sie brachte? Die Situation war schon verfahren genug und dann das? Ihr Zorn, ihre Wut, ihre Verblüffung waren nicht gespielt. Das Kind spielte mit dem Feuer und dieses Feuer waren nicht die Jedi, sondern die Sith und diese würden sie ohne zu zögern verbrennen. Sheysa schien in der Ansicht zu sein, sie könnte das Feuer beherrschen, aber wie sollte ein 17jähriges unerfahrenes Kind das Feuer beherrschen, das selbst Concabille nur sehr, sehr vorsichtig umtanzte. Taktisches Kalkül hin oder her, es musste enden bevor Sheysa darin verbrannte. Dejarik spielte man nicht mit brennenden Figuren und vor allem durfte man nicht zulassen selbst eine Figur zu werden.

      "Du wirst diese Maskerade beenden, Sheysa oder ich beende sie. Diese Jedi werden zum einen versuchen dich "unblutig unschädlich" zu machen, zum anderen wirst du alles verlieren, was du erreicht hast, sollte dein Spiel bekannt werden. Willst du im besten Fall im Exil in der Schattenstadt landen? Tod durch Exil? Ich weiß selbst, dass Aroval etwas plant, aber ich bin seine Wächterin und ich habe bereits einmal wegen dir meinen Kodex gebrochen um dich zu schützen. Was denkst du werden deine Verbündeten sagen, wenn sie erfahren, was du tust? Mädchen du bist zu jung für so ein Spiel."

      Als Sheysa sie trotzig anblickte schüttelte sie nur den Kopf.

      "Und zu jung um zu wissen, wie sehr man die Macht durch seinen Willen beugen kann ohne von ihr verschlungen zu werden. Beide Wege kann man nicht gehen...keiner, den ich bisher getroffen habe kann das. Man kann versuchen beide Wege zu beschreiten aber am Ende wird man scheitern oder zerstört durch die, die nicht dulden werden, dass du dich dem hingibst, was nicht der Weg der Sith ist. Um auf Alderaan mächtig zu werden, brauchst du die Macht nicht...aber du brauchst Verbündete und wenn du die verlierst...verlierst du hier----ALLES!"

      Vielleicht hätte Concabille anders reagiert, hätte sie gewusst, was Sheysa und Amon gefunden hatte und nun hüteten wie einen Schatz.

      Diplomatie ist die Kunst, einen Hund so lange zu streicheln, bis Maulkorb
      und Leine fertig sind.
      [Felix Faure, franz. Politiker, 1841-1899]

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    • Der Besuch bei Shanni im Krankenhaus heute lief verhältnismäßig
      gut. Es war faszinierend zuzusehen, alles was sich im letzten Jahr ereignet
      hatte schien komplett aus ihrem Bewusstsein gelöscht zu sein. Ob dies nun daran
      lag, dass sie einen tatsächlichen Gedächtnisverlust erlitte hatte oder ein
      Manipulation der Gedanken geendet hatte, die die Jedi auf sie gewirkt hatten,
      ist nicht so recht zu beantworten. Im Endeffekt ist es auch egal. Wichtig ist
      nun einfach zu schauen, wie man damit umgehen musste. Das entscheidende war
      nun, das man beginnen konnte eine Vertrauensbasis aufzubauen. Dazu gehörte
      natürlich, dass man ihr so weit wie nötig die Wahrheit erzählte, denn nichts
      war schlimmer beim erschaffen einer Vertrauensbasis, als direkt zu Beginn beim
      Lügen erwischt zu werden. Zum anderen war es wichtig was sie ihr erzählen
      sollte, welche Erinnerungen kehrten zurück, oder war das Blatt wirklich neu
      gemischt und wartete darauf neu angeordnet zu werden? So oder so, es sollte den
      wahren Gegebenheiten entsprechen, aus diesem Grund hatte sie Shanni auch das
      Datapad gegeben, sie sollte sich darüber informieren was passiert war, sie
      sollte ihre eigenen Schlüsse ziehen. Ihre eigene Aufgabe war es schlicht für
      sie da zu sein und zwischendurch die Dinge aus eigener Sicht zu beschreiben,
      damit sich Shanni ihr Bild machen konnte.

      Es war interessant mit welcher Gelassenheit Shanni ihrer
      Person gegenübertrat und die Kenntnis um ihre Halbschwester nur damit
      kommentierte, dass sie sich wunderte, warum ihr Vater ihr nie davon erzählt
      hatte. Diese egal-Haltung machte es natürlich nicht einfach eine gemeinsame
      Basis zu erschaffen, aber Shanni befand sich derzeit auch in einer recht
      extremen Situation, vielleicht änderte sich das ja noch.

      Ansonsten hatte sich ihr Eindruck aus früheren Gesprächen
      erhärtet, dass Shanni in Amon verliebt war, auch wenn die alte Shanora sich
      dies nicht mehr eingestehen wollte. Vermutlich war dies auch der Grund warum sie
      so gegen die Heirat gesprochen hatte. Aber wenn man sich jetzt ansah, mit
      welchem Blicken sie Amon bedachte und seine Nähe suchte, dann war klar, dass
      die Gefühle immer noch da waren, Shanni hatte nur vergessen, dass sie diese
      leugnen wollte. Aber wann war der richtige Zeitpunkt jemanden zu erzählen, dass
      seine Hoffnungen auf eine Beziehung beendet waren, weil der Mann der Begierde
      jetzt jemand anderem gehörte. Sie hatte sich dazu entschieden, es ihr selbst zu
      sagen, bevor sie es selbst herausfand. Denn wenn sie es im Holonet herausfand,
      das Ganze war ja kein Geheimnis, dann würde Shanni ihnen zu Recht vorwerfen,
      dass sie sie hintergingen. Natürlich war diese Wahrheit nicht auf Begeisterung
      gestoßen, stattdessen hatte Shanni sie und Amon aus dem Zimmer geworfen.
      Irgendwie verständlich. Das war natürlich ein herber Rückschlag in ihren
      Bemühungen, aber sollte Shanni ihr Gedächtnis wiederfinden, dann sollten ihre
      jetzigen Bemühungen ihr eine Hilfe sein und wenn das Gedächtnis weiterhin
      wegblieb, dann musste sie halt von vorne beginnen…aber irgendwann hätte Shanni
      davon erfahren…also früh und von ihr, als spät und über Dritte. „Mögest du in
      interessanten Zeiten leben“ war echt ein Fluch.
    • Was war plötzlich in Concabille gefahren, sie wusste doch
      um ihre Pläne, warum reagierte sie plötzlich so angespannt. Wenn sie auf
      Alderaan weiter kommen wollte, musste ihre Stimme mehr Gewicht erhalten und
      dazu musste sie in der Öffentlichkeit das Image des Sith, des brutalen Eroberers
      los werden. Und mal ganz ehrlich, mit den Verbündeten die sie auf
      Imperiumsseite hatte, war das kaum möglich. Laut brüllen sie die ganze Zeit imperiale
      Parolen vor sich her und wundern sich, dass sie ständig vor die Wand rennen und
      keinen Schritt voran kommen. Einfach weil die Alderaaner sie immer als die
      Eroberer sehen, die den Planeten unterjochen wollten. Aber anstatt genau an
      diesem Image zu arbeiten und zu zeigen, dass es ein Missverständnis war, dass
      alles gar nicht so ist wie es zuvor aussah, führen sie das alte Spiel fort und
      wundern und regen sich darüber auf, dass es nicht klappt.

      Natürlich würden diese nicht verstehen, was sie tat. Und
      genau deshalb musste sie es auch geheim halten. Und Darth Aroval hatte doch
      auch nichts dagegen, immerhin hatte sie ihm das alles berichtet. Oder war das
      Teil des Planes, wollte er sie ins offene Messer laufen lassen. Aber was hatte
      er davon, sie konnte ihm doch so oder so nicht gefährlich werden. Andererseits
      sollte man auch keinen Vorteil verschenken, den man erlangen konnte. Insofern
      konnte er es durchaus gegen sie verwenden. Allerdings hatte sie die Nachrichten
      ja auch gesichert, also konnte sie nachweisen, dass sie keinen Verrat beging.
      Nur, würde das jemanden interessieren, wenn ein Darth sie tatsächlich opfern
      wollte. Könnte irgendwas sie retten, wenn ein Darth sie opfern wollte? Nur mehr
      Verbündete. Und genau das war es was Conca ansprach, dass ihre Verbündeten
      wegbrachen. Sie ließ sich in ihren Sessel fallen und legte den Kopf auf den
      Tisch. Warum musste immer alles nur so kompliziert sein.

      Und das schlimmste an der ganzen Sache war, dass wenn sie
      ihre Pläne nicht alleine zu Grabe tragen würde, dann würde es Conca tun. Wer
      wusste was sie im Sinn hatte, deutlich konnte sie Concas Angst spüren. Angst um
      sie, Angst um sich selbst, was hatte sie vor. Mit ihr, mit Shanni und
      überhaupt. Das alles verunsicherte sie gerade ungemein und sie wollte es sich
      nicht mit Conca verscherzen, vor allem, wo sie ihr jetzt das zeigen wollte, was
      sie begehrte. Wahrscheinlich war es am besten den Kontakt erst einmal
      abzubrechen und später zu sehen wie es weiter ging und stattdessen ihre Kraft
      erst einmal auf Haus Xunj’ti zu richten. Es war ohnehin Zeit sich mal wieder
      mit ihnen zu treffen. Und vielleicht konnte sie die Tatsache, dass Conca sie
      unter Druck setzte auch nutzen um klein und hilflos zu wirken, vielleicht
      brachte ihr das ja auch etwas ein.

      Sie sollte direkt einen Brief an Lady Ariadne Baliss
      aufsetzen.
    • Sie lag zusammengekrümmt in ihrem Bett, die Hände auf ihren Bauch gepresst, eigentlich sollte sie aufstehen, es war schon zehn Uhr durch und es gab eine Menge Dinge zu erledigen. Aber wie die letzten Tage, ging es ihr auch diesen Tag wieder mies. Zwar hatte sie Concabille versprochen deswegen einen Arzt aufzusuchen, aber dazu hatte sie keine Lust gehabt, stattdessen hatte sie sich einfach entsprechende Medikamente besorgt. Zu ihrem Leidwesen wirkten diese aber nicht. So oder so, konnte sie aber nicht ewig liegen bleiben, langsam schwang sie die Beine aus dem Bett und setzte sich auf. Wenn sie aussah wie sie sich fühlte, dann musste sie einem Zombie gleichen. Sie verließ das Schlafzimmer und ging in ihren Arbeitsbereich, am Schreibtisch angekommen stützte sie sich erst einmal ab, als sie das Gefühl hatte, dass sich ihr inneres nach außen stülpen wollte, bevor sie sich mit einem erleichterten Seufzer in den Stuhl sinken ließ.

      Einen Moment hielt sie noch inne und atmete tief durch, dann aktivierte sie ihren Holocomp und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Es gab so vieles über was sie nachdenken musste, aber momentan war es schwer die Gedanken beisammen zu halten, was war nur los mit ihr? Das Gespräch mit Lord Vastor war wie immer ganz nett, aber es war wieder hauptsächlich Small Talk, es wurde Zeit dass sie eine echte Strategie entwarfen, wie es weitergehen konnte und sollte. Stattdessen wollte er bevorzugt über sie sprechen, warum immer über sie? Immer ging es zu einem großen Teil um sie, was bezweckten sie damit, wollten sie herausfinden aus welchem Holz sie geschnitzt war? Das war schwer zu sagen…immer interessierten sie sich für Shanni und ihre Fortschritte bei ihr, vielleicht misstrauten sie ihrer Strategie oder ihrer Motivation. Aber sie waren ihrem Ratschlag gefolgt, das musste doch heißen, dass sie ihrem Urteil vertrauten, oder nicht? Vielleicht musste sie auch einfach nur mal konkret ansprechen, dass sie nicht für Small Talk kommen wollte, sondern um Pläne zu schmieden. Mal sehen wie sie darauf reagierten.

      Sie verzog das Gesicht und rieb sich über die Brust, irgendetwas stimmte überhaupt nicht mit ihr. Vielleicht sollte sie wirklich einen Arzt aufsuchen. Aber sie durfte nicht krank sein, denn das würde Schwäche bedeuten und Schwäche, konnte sie sich nicht leisten. Und solange sie nicht zum Arzt ging, solange musste sie sich nicht eingestehen krank zu sein. Und niemand konnte ihre Schwäche schwarz auf weiß nachlesen. Aber war das so wichtig, wenn das so weiterging, würde es für jeden bald offensichtlich sein, Lord Vastor und Lady Baliss hatten es sofort bemerkt und selbst dieser Jedi…

      Dieser Jedi, überrascht sie einfach während sie in ihrem Lieblingsrestaurant eine Mahlzeit zunimmt. Beim Gedanken an diese Mahlzeit drehte sich schon wieder ihr Magen um und sie brauchte einige Momente um sich wieder zu fangen. Offensichtlich zeigte sein erscheinen, dass sie für die Jedi von Interesse war und durch ihr kleines Spielchen, was sie mit ihm getrieben hatte war auch klar, was er wollte. Es hatte ihn dazu gezwungen seine Absichten eindeutig zu formulieren. Und konnte sie nicht mehr hinter höflichen Floskeln verbergen. Er wollte wissen was sie für ein Mensch ist, ihre Ansichten, woran sie glaubte. Offensichtlich war er nicht mit all ihren Antworten zufrieden, aber darum war es auch gar nicht gegangen. Hätte sie so geantwortet, dann hätte er ihr ohnehin nicht geglaubt, damit hatte Concabille recht, sie war Sith. Deshalb hatte sie ihm ehrlich geantwortet. Und sie hatte es ihm an Beispielen begründet, zwar waren Jedi in ihren Ansichten eher weltfremd, aber sie hoffte, dass dieser weit genug im Leben stand um zu bemerken, dass sie es auch tat und nicht jemand war der nur nach sinnloser Zerstörung trachtete, wie sie es den Sith gerne unterstellten. Er musste bemerken, dass sie jemand war, mit dem man arbeiten konnte, aber nicht an der Nase herumführen.
      Dies verschaffte ihr die Möglichkeit wertvolle Kontakte ins feindliche Lager zu bekommen und auch wenn Concabille dies nicht gefiel, sie verstand die Gefahr die sie sah, so musste sie dies dennoch nutzen, nur geschickt. Aber sie war sich unsicher wie. Die ganze Sache war eine Nummer zu groß für sie, defintiv, auch damit hatte Concabille recht. Aber es gab Leute, an die sie sich wenden konnte, Lord Vastor, Lady Baliss und natürlich ihrem Meister. Letzteren auf jeden Fall, auch wenn momentan unklar war, wie er zu ihr stand. Aber es war notwendig…sollte er nichts von ihr hören, würde es ihn auch misstrauisch machen und sie brauchte seinen Rat. Sie lehnte sich wieder vor und begann zu schreiben.

      Ruhm dem Imperium Meister,

      auf Alderaan geht es weiter voran, meine Beziehungen zu Haus Xunj’ti festigen sich und sie sind meinem Rat zu einer geänderten Politik auf Alderaan gefolgt. Shanni verweilt derzeit wieder in der Jedienklave und ist damit außerhalb meines Einflussbereichs. Sie hatte letztens bei einem Reitunfall ihr Gedächtnis verloren und dabei die Ereignisse des letzten Jahres vergessen und hielt sich wieder für eine Sith. Es ist nicht bekannt in wie weit dieser Zustand temporär ist und ihr Gedächtnis wiederkehrt. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich die Situation so oder so, zu unserem Gunsten verändern kann.
      Dennoch benötige ich euren Rat Meister. Vorgestern hat mich ein Jedi in einem Lokal aufgesucht und mich über meine Beweggründe und Motivationen ausgefragt. Es zeigt, dass sie ein gesteigertes Interesse an meiner Person haben, aber ich bin mir nicht sicher, wie sich daraus am besten Kapital schlagen lässt.


      Hochachtungvoll

      Sheysa Garrde


      Nochmal las sie sich die Nachricht durch, dann sendete sie diese an Aroval und eine Kopie an Concabille.
    • Erschöpft setzte sie sich auf die Treppe und lehnte ihren Kopf an die Wand neben sich. Was war nur in Shanni gefahren, dass sie ihr mit irgendwelchen Wächtern gegenüber trat, war ja nichts Neues. Aber, dass sie sie angriff, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte echt gehofft, dass es allmählich vorwärts ging. Aber ihre Beziehung hatte einen Tiefpunkt erreicht, von dem sie total überrascht worden war. Langsam schloss sie die Augen, sie war so müde, es hatte sie so viel Kraft gekostet. Sie griff mit zittrigen Händen nach ihrem Communicator. Kurz zögerte sie, als eine neue Welle der Übelkeit ihren Körper durchfuhr. Vielleicht war die kleine Aroma Kapsel keine gute Idee gewesen. Sie hatte sie bei weitem mehr außer Gefecht gesetzt, als sie gedacht hatte, dabei war der Sinn dafür eigentlich nur einfach ein wenig auf die Tränendrüse zu drücken, aber das war vollkommen schief gelaufen.

      Ihre Hand mit dem Communicator sank wieder runter, wie sollte sie das nur Concabille erklären? Das würde mächtig Ärger geben, wenn sie das heraus bekam und dem Alten sollte sie das nach Möglichkeit auch nicht berichten. Da hatte sie sich ja in eine schöne verfahrene Situation begeben. Fest stand auf jeden Fall, dass sie von hier weg musste, bevor Shanni mit ihren Jedi wieder kam, noch einmal würde sie die Kraft nicht haben sich zur Wehr zu setzen. Wie hatte sie sich nur so irren können. Eine Nachricht würde sie ihr nachher noch schicken und dann war der Versuch für sie gescheitert. Wenn Shanni dann nochmal was von ihr wollte, müsste sie schon zu Kreuze kriechen. Vielleicht konnte sie mit dieser Nachricht nochmal etwas erreichen, aber das bezweifelte sie, Shanni hatte klar gemacht, wie sie über sie dachte und selbst wenn sie sich meldete, sie wusste nicht genau was dann. Momentan war sie echt etwas ratlos, aber es war auch schwer seine Gedanken beisammen zu halten, wenn man die ganze Zeit das Gefühl hatte kotzen zu müssen. Ihre Finger zitterten mittlerweile etwas weniger, die Ruhe tat ihr gerade gut, wie konnte sie nur so dumm gewesen sein. Aber sie musste sie abholen. Wieder hob sie den Communicator an und wählte Concabilles Nummer.

      „Conca…Shanni will mich umbringen…“

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    • Das Weinfest war eigentlich ganz nett, oder hätte es sein können, wenn sie dazu aufgelegt gewesen wäre sich darauf einzulassen. Aber das Leben schien sich gegen sie verschworen zu haben. Noch immer saß sie auf der Bank, die Leute waren weg, die Lichter waren aus, aber die Dunkelheit war tröstlich und was sollte ihr schon passieren…sie war eine Sith. Wobei ihr ein dahergelaufener Halunke, der sie als leichte Beute auserkoren hatte, durchaus recht käme. Aber solche Leute waren wie Polizisten…nie da, wenn man einen brauchte.

      Wieder war ihr den ganzen Tag über schlecht gewesen und so gerne sie von den verschiedenen Weinen gekostet hätte, die Angst davor sich übergebend in einer Ecke wieder zu finden, hatte sie davon abgehalten. Und als wenn dies nicht genug Grund für eine schlechte Laune war, musste sie den ganzen Tag auch noch Shanora über sich ergehen lassen. Am liebsten hätte sie sie an der Gugel gepackt, geschüttelt und zugedrückt, wäre aber vermutlich nicht gut gekommen. Warum konnte sie sie nicht einfach so nehmen wie sie war? Ständig wollte sie sie verändern und immer wenn sie ihr einen Schritt entgegen ging, stieß sie sie wieder fort, weil es ihr nicht genug war. Aber sie hatte nicht Korriban überlebt und darum gekämpft sich selbst zu bewahren, um hier nun völlig verdreht zu werden. Sie war, wer sie war und das war auch gut so.

      Ansonsten war das Fest recht unsinnig, als davon die Rede war das eine Weinkönigin gewählt würde, dachte sie, dass es sich dabei um den besten Wein handelte, in Wirklichkeit war es aber irgendeine junge Frau, die anscheinend tatsächlich dachte, mit diesem Unsinn etwas erreicht zu haben. Ansonsten hatte sie sich den Tag eigentlich nur damit beschäftigt irgendwie die Zeit tot zu schlagen. Unter anderem gab es eine Vorführung für Kinder, die erklärte wie die Weinherstellung funktionierte. Zwar war dies nicht ganz ihr geistiges Niveau, aber es war ganz interessant.

      Irritierender waren die kleinen Rotzlöffel die davor saßen. Das hatte viele Fragen in ihr aufgeworfen. Sie wollte ein Kind um es zu ihrem politischen Vorteil einzusetzen. Aber der Schuss war mit Pauken und Trompeten schief gelaufen. Shanora war förmlich ausgerastet und dieser kleine Parasit der nun in ihr heranwuchs, saugte ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Kraft aus den Gliedern, das machte sie schwach und angreifbar. Wenn man nun bedachte, dass sie erst ganz am Anfang stand und sie bei weitem noch fetter und unbeweglicher werde sollte, dann mochte sie sich das Ausmaß der Katastrophe nicht einmal vorstellen. Natürlich wurde sie mit Glückwünschen und wahrscheinlich ernsthafter Freude beglückt, leider nicht von den richtigen Personen und das brachte ihr nicht viel. Vielleicht war es das Beste, wenn sie den kleinen Parasiten einfach wegmachen ließ, das würde ihr jede Menge Ärger ersparen. Immerhin wusste Amon noch nichts davon und er musste es auch nie erfahren. Zwar würde er das wohl nicht gerade mit Wohlwollen betrachten, aber es war ihr Körper und sie war Sith…sie war im Recht. Das gefiel ihr am Besten. Diesen Weg zu gehen war richtig, sie konnte immer sagen, dass es ungeplant war und sie sich zu jung dafür fühlte, wahrscheinlich würde man diese Erklärung so hinnehmen.

      Der Plan war gut und die Entscheidung war richtig…was ließ sie also zögern? Gerade jetzt wo Concabille Alderaan verlassen hatte, sollte sie im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte sein. Sie legte ihre rechte Hand auf ihren Bauch und starrte in die Dunkelheit hinaus. Eine ganze Weile saß sie dort so, nur das Heben und das Senken ihres Brustkorbes, sowie ein regelmäßiges Blinzeln ihrer Augen unterschied sie von einer Statue. Dann schüttelte sie sachte den Kopf, sie hatte noch Zeit, es musste nicht sofort entschieden werden.

      Aber was sollte sie wegen der anderen Sache tun, wenn sie das, was sie sich überlegt hatte wirklich ausführte, dann war es mit ihrer Unschuld vorbei. Sie würde alles auf eine Karte setzen ohne Gewissheit, dass sie Erfolg haben würde und die Kosten wären enorm. Im schlimmsten Fall würde man sie dafür einkerkern und den Schlüssel wegwerfen. Oder Jagd auf sie machen, auf jeden Fall wäre ihr derzeitiges angenehmes Leben vorbei. Und die neuen Feinde wären nicht einmal vollständig abschätzbar. Sicher wäre nur, das aus Alderaan keine Heimat werden würde, wie sie derzeit beabsichtigte.
      Vor allem, war die Gewinnaussicht wirklich so hoch, wie sie vermutete? Auf der einen Seite bot sie damit ein sehr wertvolles Geschenk an. Aber würde es tatsächlich als dieses wahrgenommen werden. Nur wenn das Potential erkannt wurde, würde es als dieses gesehen werden. Und natürlich das wichtigste, selbst wenn das Geschenk als dieses gesehen wurde, wäre auch der Wille da, die für den Gewinn nötige Dankbarkeit aufzubringen, oder würde man sie trotzdem ans Messer liefern?
      Es bestand natürlich auch die Möglichkeit Stillschweigen zu bewahren. Aber wenn keiner davon wusste, konnte sie daraus Gewinn erzielen? Es war nicht leicht abzuschätzen…Zumindest wurde ihr mehr und mehr klar, warum Concabille Alderaan einen Hexenkessel nannte.

      Aber es wurde allmählich Zeit, dass sie voran kam, stattdessen trat sie auf der Stelle. Aber Erfolg sicherte ihr überleben. Und sie war nun zu lange auf Alderaan und sie war ähnlich weit wie am Anfang. Verzweifelte Wege konnten das ganze natürlich beschleunigen, in die eine, wie in die andere Richtung, am wahrscheinlichsten in eine für sie schlechte Richtung. Sie musste genau darüber nachdenken.

      Seufzend stand sie auf, ihre Knochen fühlten sich vom langen Sitzen richtig eingerostet an, und ging zu ihrem Flugwagen. Sie hatte noch einen längeren Weg vor sich, genug Zeit um sich nochmal alles durch den Kopf gehen zu lassen.
    • Ihr halbes Leben lang hatte man ihr erzählt, dass die dunkle Seite der Macht die ultimative Waffe ist. Liebe und Zufriedenheit Schwäche bedeuten. Dass die Helle Seite schwach ist, weil sie die Leidenschaft meidet. Glühender Hass stählt unsere Muskeln, macht den Körper stark. Es gibt wenige Dinge die furchteinflößender sind, als ein Sith, der sich seinem Hass hingibt. Sie wusste wie das geht, das hatte sie jahrelang gelernt. Aber schon damals hatte sie instinktiv gespürt, hatte sie gesehen, was es sie kostete und darum gekämpft sich selbst zu bewahren. Sich nicht an den Hass zu verlieren. Liebe und Zufriedenheit waren schwach, aber es waren Leidenschaften, sie waren ein Teil von ihr und sie wollte sie nicht verlieren. Durch Leidenschaft erlange ich Stärke, prophezeit uns der Sith-Kodex und das ist wahr. Wenn die Zufriedenheit bedroht wird, erwächst daraus Angst, Angst weckt Zorn und Zorn entzündet den Hass, dies ist die Stärke der Sith. Dies war ihre Kraft.

      Nun erzählten andere Leute ihr, dass Leidenschaft Schwäche bedeutete, weil sie manipulierbar war. Dass wahre Stärke in Ruhe und Gelassenheit lag. Leidenschaft führte zum Verfall, den Absturz in die Tiefen der dunklen Seite. Indem man selbst nun auf alles verzichtete, an das man sein Herz hängen konnte, bewahrte man eine Reinheit des Geistes. Aber man verdrängte all das, was das Leben lebenswert machte, man verdrängte sein selbst. Das was man war, trat in den Hintergrund und wurde durch etwas ersetzt, das jedem normalen Lebewesen als Anomalität vorkommen musste. Die erlangte Selbstlosigkeit, gefiel natürlich den Horden an schwachen Wesenheiten, dass sich ihnen jemand mit Macht unterordnete und sie verteidigte, egal, ob sie es verdienten oder nicht.

      Sie hatten nicht unrecht, denn sie hatte gesehen, was es kosten konnte, wenn man sich ganz dem Hass hingab, ihn zu seinem Lebensinhalt machte, das langsame geistige verdumpfen, dass einen dazu verdammte immer extremer werden zu müssen. Die Macht der dunklen Seite die man dadurch gewann war groß, aber auch der Preis den man dafür zahlen musste. Jeder Preis kostete Ressourcen, Ressourcen waren Macht. Ob es sich lohnte Ressourcen zu opfern, entschied sich darin, ob der Gewinn am Ende größer war als die Kosten. Aber je tiefer man in etwas eindrang, desto mehr kostete es und desto geringer wurde der Nutzen.

      Aber dennoch hatten sie nicht recht, ein Wolf wurde nicht dazu geboren die Schafe zu schützen. Sie waren seine Beute, er nährte sich von ihnen, sie gaben ihm Kraft und machten ihn stark. Er nahm sich von ihnen was er brauchte, aber wenn er selbst überleben wollte, nie mehr als sie geben konnten. Denn ihr Fortbestand definierte auch den seinen.
      Doch der Wolf sollte sich nicht den Schafen unterordnen, damit verleugnete er seine Natur, er war nicht mehr in der Lage sein volles Potential auszuloten, weil er einen wichtigen Teil seiner Persönlichkeit verdrängte. Ein Wolf verfiel nicht dem Wahnsinn, weil er sich von den Schafen nährte, sondern erst wenn er aufhörte sich von ihnen zu nähren oder sie ohne Not verzehrte, dann begann der geistige Verfall seines Daseins.

      Das war die Schwäche der Sith, der Absturz in die Dunkelheit, den die Jedi so fürchteten, wenn man den Fokus auf seine Ziele verlor und nur noch handelte, seinen niederen Instinkten nachgab, verlor man seinen Weg. Man verlor seine Motivation, denn Motivation entstand aus Leidenschaft und Zielsetzung, Motivation war der Antrieb der uns voran brachte. Man verlor sich in einer Spirale die einen immer tiefer zog, an dessen Ende man sich selbst verlor.
      Gleichheit war die Lebenslüge der Jedi. Indem sie sich selbst niedriger machten als sie waren, versuchten sie sich selbst zu erhöhen. Aber die Menschen waren nicht gleich, es gab jene die den Willen und die Stärke besaßen zu herrschen, die Wölfe, und es gab jene denen es an diesem mangelte, sie waren geboren um beherrscht zu werden, sie waren Schafe. Gleichheit konnte aus Schafen keine Wölfe machen, sie würden immer Schafe sein, ihr einziger Zweck war, den Wölfen die Zähne und die Klauen zu nehmen, sie zu unterdrücken und sie in ein Schema zu pressen, das ihrer Natur widersprach. Das war nicht die Schaffung eines höheren selbst, es war die Degeneration des eigenen Ichs, auch wenn dies den Schafen verständlicherweise gut gefiel.

      Während diese Gedanken durch ihren Kopf geisterten, saß sie im Schneidersitz auf dem Boden des Partyraums. Ihre Hände ruhten auf ihren Knien, der Kopf war stolz erhoben und die Augen geschlossen. Ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig, während sie das Gelernte, ihre Beobachtungen und Erfahrungen durch ihren Kopf streifen ließ. Beide Philosophien hatten recht und waren gleichzeitig im Unrecht. Von den beiden Kodizes war der Sith Kodex derjenige, der der Wahrheit am nächsten kam, er wurde nur falsch interpretiert.
      Die Schwierigkeit für einen selbst lag nun darin einen Weg zu gehen, der hart an der Grenze lag. Die helle Seite der Macht symbolisierte ebenso Leidenschaften wie die dunkle Seite. Zufriedenheit statt Frustration, Liebe statt Hass, Disziplin statt Chaos. Die Jedi erkannten dies nicht, sie nahmen von allem Abstand und flüchteten sich aus Angst in eine Abstraktion der Reinheit, für die es im Universum keinen wirklichen Platz gab. Die Angst davor den Schatten zu erblicken zwang sie dazu sich selbst vergessen zu wollen.
      Ihre Herausforderung bestand nun darin, den Weg zu finden, der durch beides hindurchging. Liebe und Hass zu empfinden, frustriert zu sein und gleichzeitig Zufriedenheit zu finden, aber auch Chaos in der Disziplin zu finden und umgekehrt. Die Lösung lag im Kodex.

      Ishijanis Erklärungen hatte sie nie so recht verstanden, was sie mit Kopf leeren meinte, bisher bedeutete Meditation für sie immer sich auf etwas zu fokussieren, aber dies hatte ihr bei dem derzeit anstehenden Problem nie geholfen. Sie musste alles sehen, aber alles war ihr immer zu viel. Kopf leeren und Geist erweitern. Ein leerer Kopf war nicht, was sie anstrebte. Vielleicht ging es deshalb nicht.
      Meisterin Eryadas Ansatz fiel ihr leichter, sie arbeitete mit Analogien und Bildern, etwas das sie für sich visualisieren und umsetzen konnte. In ihrem Geiste ging sie durch einen Wald, der Wald war ihr Geist, die Bäume waren ihre Gedanken, ihr Wissen, ihre Erfahrungen. Sie schritt durch den Wald, ihr Blick war nach vorn gerichtet ihren Weg entlang, sie schaute weder nach rechts, noch nach links, die Bäume passierten den Weg am Rande ihrer Wahrnehmung, sie wusste das sie da waren, aber sie schenkte ihnen keine besondere Beachtung. Ihr Weg führte sie langsam bergauf, es war schwer sich nicht durch den Wald ablenken zu lassen, aber wenn sie den Wald sehen wollte, durfte sie sich nicht an den Bäumen festhalten. Immer weiter ging sie, während ihre Erfahrungen an ihr vorbeizogen, nie mehr als eine flüchtige Erscheinung, bis sie auf dem Hügel angekommen war und von oben alles überblicken konnte.

      Mit einem schmerzerfüllten zischen saugte sie die Luft ein, als sie etwas erkannte und ihre Augen flogen entgeistert auf. Sith sein bedeutete nach Freiheit zu streben…Freiheit gab es nicht…
    • Sie konnte es immer noch nicht so recht glauben, Concabille hatte ihr Xzari auf den Hals gehetzt. Von allen vermaledeiten Reinblütern…warum ausgerechnet Xzari. Eigentlich hatte sie mit den Xunj’tis allein reden wollen, aber Xzari stand ein paar Minuten eher an der Tür. Natürlich hätte sie sie einfach fortschicken können, das wäre aber nicht sonderlich diplomatisch gewesen. So hatte sie sie einfach bei dem Treffen anwesend sein lassen, zumindest konnte sie den Mund halten, das war schon mal sehr erfreulich. Das Treffen mit Haus Xunj’ti verlief ganz gut, aber scheinbar hatte Concabille die gleiche Idee wie sie und hatte Lord Vastor schon das gesteckt, was sie ihnen den Abend erzählen wollte. Aber für ihren Geschmack gab es zu wenig Substanz für die Zukunftsplanung. Es musste mehr getan werden können, natürlich nicht zu viel, aber einfach mehr. Und sie war sich sicher, dass dies wenig mit Ungeduld zu tun hatte, manchmal hatte sie einfach den Eindruck, dass sie ihr Ding machen sollte, und die anderen mit Begeisterung halfen aber selbst nichts taten…vielleicht war sie ja doch einfach nur zu ungeduldig.
      Aber sie kam wieder einmal nicht umhin, über sich selbst zu sprechen, woran lag es, dass sie immer etwas über sie erfahren wollten? Dies Mal ging es um ihre Übelkeit und den allgemeinen Zustand und ob sie auch sicher wäre. Jeder versuchte sie in Watte zu packen…sie war sicher…zu sicher. Vielleicht sollte sie eine Autobiographie schreiben oder ihre Befindlichkeiten ins Holonet schreiben „War gerade hungrig und habe Käsetoast gegessen, sollte mehr Käsetoast essen, der schmeckt“. Sie kam nicht umhin zu glauben, dass sie entweder damit hingehalten wurde, oder dass sie sich mehr für sie, als für die Dinge auf Alderaan interessierten.

      Nach dem Treffen hatte sie Xzari in dem Zimmer einquartiert, was eigentlich für Ghurab gedacht war, aber wahrscheinlich gefiel es ihm eh besser, wenn er es erst erobern musste. Und damit hatte sie nun ein wenig Zeit für sich, sie zog sich in ihr Zimmer zurück und lies ihren Blick umherschweifen. An ablenkenden Dingen gab es hier drin genug, der Raum oben wäre besser geeignet gewesen, aber sie wollte nicht von Xzari gestört werden. Aber wenn sie die Augen schloss, dann konnte sie das alles ohnehin nicht sehen, es würde also gehen.

      Sie setzte sich im Schneidersitz auf den Teppich und legte ihre Hände auf die Knie ab, den Rücken gerade und den Kopf erhoben. Einmal atmete sie tief durch, dann schloss sie ihre Augen und konzentrierte sich wieder auf den Wald ihrer Erinnerungen und den Pfad, der durch sie hindurchführte. Mit jedem Schritt den sie ging, gelang es ihr sich mehr und mehr von ihren Erinnerungen zu lösen. Bis sie oben auf dem Hügel angekommen, das ganze Tal überblicken konnte.
      Ihr Blick schweifte zu einer Erkenntnis die sie erst kürzlich gefunden hatte. Freiheit war eine Lüge, genau wie Frieden. So wie es nie Frieden geben konnte, gab es auch keine Freiheit. Konnte es sein, dass der Sithkodex ebenso falsch war, wie der der Jedi?
      Sie ließ ihren Blick umherschweifen. Es gab keine echte Freiheit, weil sie immer von anderen abhängig war. Selbst wenn sie der Imperator persönlich wäre, gäbe es immer diejenigen, die auf ihren Platz wollten. Diejenigen die sich an ihr störten und sie bekämpfen wollten. Freiheit konnte nicht existieren, solange es noch andere Wesen außer ihr gab.
      Sie wanderte weiter mit ihrem Blick, betrachtete ihre Erinnerungen und Erkenntnisse, als wenn diese zu einer anderen Person gehörten. Aber selbst wenn es keine anderen Personen mehr gab, wäre sie nicht frei, sie war gefangen in ihren eigenen Bedürfnissen. Bedürfnisse nach Gesellschaft, nach Technik, nach Kleidung und Nahrung. Alleine konnte sie dies alles nicht erhalten. Freiheit war nur zu erlangen, wenn sie dafür ihr Glück opferte. Das war Freiheit aber nicht wert.
      Aber, sie verengte ihre mentalen Augen und betrachtete etwas einen Moment genauer, der Sithkodex versprach keine Freiheit. Das Versprechen der letzten Zeile des Kodex war „Die Macht wird mich befreien“. Befreien…aber von was, was fesselte sie, dessen Ketten der Sieg sprengen konnte, von dem sie Schlußendlich befreit werden konnte?
      Erneut sah sie sich um und betrachtete ihre Fesseln, sie sah Shanora, Concabille, Aroval, das Sith-Imperium, die Republik, hunderte von großen und kleinen Dingen und sich selbst. Letzteres zog ihr Interesse auf sich, sie selbst war eine Fessel ihres Daseins. Sie betrachtete es sich genauer, sie sah Angst, Zweifel und Ungeduld. Lügen die sie sich selbst erzählte, um sich die Welt schön zu machen. Sie trat etwas zurück, dass was sie sah, gefiel ihr nicht. Das was sie sah, war nicht das, was sie sehen wollte. Ihr Blick ging zurück zu den anderen Fesseln und betrachtete sie ebenfalls eingehender. Sie schloss ihre Augen, all die Dinge die sie gesehen hatte, behinderten ihren Weg, aber sie waren keine Fesseln, höchstens Steine auf ihrem Weg oder auch ein Graben, andere waren Gepäck das sie tragen musste, aber nur sie war eine Fessel. Ängste und Zweifel die sie daran hinderten, das zu tun, was getan werden musste, weil sie die Konsequenzen fürchtete. Weil sie nicht wusste wie sie es angehen sollte. Das hemmte sie und hinderte sie daran vom Fleck zu kommen, das waren ihre Fesseln.

      Sie drehte sich mental um und blickte zurück zum Sith Kodex.

      „Es gibt keinen Frieden, nur Leidenschaft“
      Dies war die Wahrheit. Unsere Gefühle und Bedürfnisse waren unser Antrieb. Es konnte keinen Frieden geben, weil es immer jemanden gab, mit dem man darum konkurrieren musste.

      „Durch Leidenschaft erlange ich Stärke“
      Dies stimmte in zweierlei Hinsicht, zum einen waren Leidenschaften ein starker Katalysator, um sein eigenes Machtpotential zu erwecken, aber sie waren auch der Treibstoff, mit dem man seine Willensstärke anfeuerte, was einem die Kraft gab aufzustehen und etwas zu tun.

      „Durch Stärke erlange ich Macht“
      Gesteigerte Machtfähigkeiten waren Macht, aber in dem Moment wo man willens war, die Welt zu verändern, erhielt man auch die Macht genau dieses zu tun. Vielleicht nicht Universumsweit, aber zumindest begrenzt, für den Anfang.

      „Durch Macht erlange ich den Sieg“
      Abgesehen von dem Sieg im Kampf, den mir großes Machtpotential sichern kann, gilt aber auch, wenn ich die Welt um mich herum, nach meinen Wünschen formen kann, erringe ich einen Sieg über die anderen. Mache die Welt für mich zu einem lebenswerteren Ort.

      „Durch den Sieg zerbersten meine Ketten“
      Dies ist anders…nicht so wie sie es bisher immer verstand. Es ging nicht um andere, es sind keine Feinde die besiegt werden gemeint. Durch den Sieg erlangte man Selbstvertrauen und Selbstvertrauen besiegte und half dabei Ängste und Zweifel zu überwinden.

      „Die Macht wird mich befreien“
      Sie befreit einem von sich selbst, man selbst ist die Fessel. Freiheit war keine Lüge, es gab Freiheit, aber sie existierte nur in einem selbst.

      Langsam ging sie den Weg zurück, durch den Wald, zurück zu all den Dingen die sie beschäftigten. Das was sie gerade gesehen hatte nahm sie mit sich und hielt es fest, es war wertvoll. Schließlich öffnete sie ihre Augen und blickte sich um, sie saß noch immer in ihrem Schlafzimmer im Schneidersitz, die Hände auf den Knien, aber was sie nicht sehen konnte, die Iris ihrer gelben Sithaugen wies grüne Flecken auf.
    • Xzari im Haus zu haben, war gar nicht so schlecht, wie sie zunächst befürchtet hatte. Zwar war ihr die Rothaut immer noch ein wenig unangenehm, aber bei weitem nicht so schlimm wie sie es befürchtet hatte. Dennoch war es komplizierter mit ihr, zwar schien Conca ihr in gewisser Weise zu vertrauen, aber vielleicht vertraute sie auch nur auf ihr Mißtrauen. Alles in allem war damit die sturmfreie Bude erstmal dahin. Das letzte mal hatte Xzari sie überrascht, als sie gerade beim Training war. Es funktionierte noch genauso wie sie es gelernt hatte, sich auf die eigenen Emotionen fokussieren und ihnen folgen, wie bei einem Tanz der Musik. Xzari schien recht beeindruckt zu sein, zumindest hatte sie das behauptet. Das Gespräch danach hatte sich dann in eine recht unangenehme Richtung entwickelt und ihr war imme rnoch nicht klar, ob sie nun den Nagel auf den Kopf getroffen hatte oder unter Wahnvorstellungen litt. Da sollte man vielleicht nochmal nachbohren.

      Aber dazu später...sie hatte momentan andere Probleme, ihr Blick wanderte über die Überreste des Tisches, der es nun definitiv hinter sich hatte, und die von zwei Dienern entfernt wurden. Der Besuch von Tol-var lief alles andere als erfreut und für das erfreute Gesicht, mit dem er ihr dieses Fiasko an Nachricht beigebracht hatte, könnte sie ihm immer noch das Gesicht neu gestalten. Da dies aber nicht sehr diplomatisch gewesen wäre, musste der Tisch an seiner statt leiden, irgendein Ventil hatte sie gebraucht, er konnte sich glücklich schätzen, dass sie so rücksichtsvoll war.

      Tol-var hatte ihrer Schwester also gesteckt was sie vor hatte, welche Chance sie ihr anbot für sich und ihre Kinder und sie hatte abgelehnt. Also war es kein aufgezwungener Wille von außen, sondern ihr eigener. Sie wollte Krieg mit ihr führen. Sie schüttelte langsam den Kopf, langsam gingen ihr die Trümpfe aus und es war unabdingbar, dass sie so langsam mal Erfolge vorwies. Einen hatte sie noch übrig behalten, sie ballte ihre Hände zu Fäusten, als die Wut wieder in ihr hochkochte, am liebsten würde sie das Miststück einfach zerschmettern. Aber das ging nicht. Was sollte sie nun tun? Sie konnte den Weg einschlagen, den man schon vor einem halben Jahr von ihr erwartet hatte, aber dieser Weg führte sie auf einen Pfad, den sie nicht beschreiten wollte. Egal in welche Richtung sie gerade blickte, dass was sie sah gefiel ihr nicht und das machte sie rasend. Und wenn sie rasend war, konnte sie nicht denken.

      Sie verließ ihr Büro und ging hinüber in ihr Schlafzimmer, sie musste etwas allein sein und sie musste nachdenken. Dort angekommen setzte sie sich in den Schneidersitz, ihre Hände auf die Knie ablegend, und versuchte sich in Meditation zu versenken. Sie wusste nicht wie lange es dauerte. Es dauerte immer lange, aber heute wollte sie einfach keine Ruhe finden, es gelang ihr nicht den Blick abzuwenden, sie war innerlich zu aufgewühlt, doch statt aufzustehen und ihren Frust erneut an irgendetwas abzureagieren blieb sie stattdessen sitzen. Ihr ganzer Körper prickelte und schrie und sie brauchte jedes bisschen Disziplin, was sie sich in ihrem Leben angelacht hatte, um dem zu widerstehen, sie war Herrscher über ihren Körper und ihren Geist, nicht anders herum. Stunden später beruhigte sie sich langsam und konnte ihren Weg durch den Wald beginnen, aber auch dies dauerte ewig.

      Als sie ihre Augen wieder öffnete, graute draußen bereits der nächste Morgen und ihr Magen grummelte furchtbar. Aber sie war zu einem Entschluß gekommen, sie konnte alles auf eine Karte setzen, wenn sich diese Karte als Niete herausstellte war alles verloren oder sie konnte ihre Strategie ändern... so oder so...beides war nichts, was sie anstrebte, aber es gab noch eine Chance...sie sollte sie ergreifen, bevor der Vorhang fiel und alles vorbei war. Sie ging in ihr Arbeitszimmer hinüber orderte ein reichhaltiges Frühstück beim Personal. Während sie auf das Essen wartete, stellte sie sich vor ihren kleinen Droiden und nahm eine Holobotschft auf.

      Grüß dich Shanora,
      So wie es derzeit zwischen uns beiden steht, will ich es nicht stehen lassen, zugegebenerweise macht es mich rasend. *sie zuckt mit den Schultern* Das kannnst du mir gerne verübeln, aber das bin halt ich. Ich möchte dich zu einer Aussprache in mein zu Hause einladen. Jetzt wirst du bestimmt sagen, dass dies viel zu gefährlich wäre und das ein neutraler Ort herhalten muss. *Sie schweigt einen Moment*
      Aber das lehne ich ab. Von uns beiden, bin ich diejenige, die die andere noch nie entführen wollte oder ihr den Tod gewünscht hat. Deshalb bin ich in diesem Zusammenhang die glaubwürdigere Person und für meine Sicherheit ist dies besser. Natürlich versichere ich dir freies Geleit hinein und hinaus, denn das einzige was ich will ist eine Aussprache mit dir zu führen. *erneut folgt ein kurzes schweigen*
      Aber ich will weder deine beste Freundin Mala, noch deine beiden Attentäter Jedi in der Nähe meines Anwesens sehen. Die Jediritter Hersh und Tol-var dagegen sind gern gesehen, auch wenn ich mit dir unter vier Augen sprechen will. Von mir aus kannst du auch gerne deine ganzen Andayenwachen mitbringen, solange sie sich nicht näher als zweihundert Meter dem Haus nähern. *erneut folgt eine Pause bevor sie weiterspricht, in der sie sich mit der rechten Hand durch die Haare fährt*
      Mir ist das wirklich wichtig Shanni...Bitte...und es würde mich freuen, wenn ich mal die kleine Hanaa kennenlernen könnte. *Sie wendet sich von dem Aufzeichnungsroboter ab und die Aufnahme erlischt*


      Sie betrachtete wie die Dienstboten das Essen hereinbrachten, aber ihr wurde bei dem Anblick und dem Geruch schon wieder schlecht...wie sie das alles ankotzte.

    • Bisher keine Reaktion von Shanni, dass dürfte Antwort genug sein. Es war dumm von ihr diesen Weg zu gehen, aber da konnte sie ihr dann auch nicht mehr helfen. Ihre Möglichkeiten waren begrenzt. Sie musste ohnehin aufpassen was sie tat. Ihre Augen begannen sich zurück zu färben, das konnte einige unbequeme Fragen des "warums" nach sich ziehen und sie war sich nicht sicher, ob sie in der Lage war diese zu beantworten. Wenn es auch für ihre Mission einen deutlichen Vorteil bringen dürfte.
      Es war an der Zeit, dass sie ihr Verständnis der beiden Seiten aufbesserte. Das Gespräch mit Lord Vastor dürfte dort behilflich sein, sie war gespannt, in wie weit er ihr weitere Einblicke in die dunkle Seite gewähren konnte. Wichtiger war es jedoch, sich erneut mit einem der Jedi zu treffen und auch dort nach einem tieferen Verständnis zu suchen, denn ihr Kontakt dazu war erst sehr kurz. Sie musste die Bilder ausklammern die sie benutzten und auf das Wesentliche reduzieren, egal mit wem sie sprach. Sowohl die Sith, als auch die Jedi hatten einen tiefen Einblick in die Macht, aber es fehlte ihnen einfach ein Blick für das Ganze, das würde sie sich selbst erarbeiten müssen.
      Am besten sollte sie ihre Erkenntnisse niederschreiben, das machte sie zwar angreifbar, wenn diese jemand fand, aber es dürfte ihr helfen den Weg klarer zu sehen und sich nicht zu verirren. Alle großen Sith schrieben ihre Gedanken auf, daran sollte sie sich ein Beispiel nehmen. Auch Darth Aroval bot dort keine Ausnahme und bei dem was er erforscht hatte, da stellten sich ihr die Fußnägel auf. Aber sie hatte die Warnung darin verstanden, Extreme boten extremes Potential, hatten aber auch extreme Kosten.

      Sie ging von ihrem Büro, den Flur hinunter in ihre neu eingerichtete Meditationskammer. Der Stoff ihres Rockes raschelte leise über den weichen Teppich. Anstandslos fuhren die Türen auf als sie vor diese trat. Optisch war die Kammer darauf ausgerichtet ihr eine visuelle Stütze für ihre Suche zu sein. Die Macht in diesem Raum war noch gering, praktisch nicht vorhanden, das war nicht vergleichbar mit den alten Grabstätten auf Korriban, aber er war auch neu, sie musste ihren Stempel erst noch aufdrücken. Auf jeden Fall sollte sie Lord Vastor nicht zeigen, was sie hier gebaut hatte, er würde es kaum verstehen.
      Ihr Blick wanderte über den kleinen Brunnen mit den holografischen Bäumen die ihn umgaben. Ein Symbol für den Wald, den sie in ihrer Meditation nutzte, aber auch für Ruhe und Zufriedenheit. Er symbolisierte einen Ort, an dem man die Seele baumeln lassen konnte.
      Dem Gegenüber stand die Schreckensstatue. Sie war ein Symbol, dass sie mit so viel Leben füllen konnte. Sie stand für ihre Ausbilder auf Korriban, für die Angst die sie dort empfunden hatte, aber auch den Zorn und den Hass der daraus erwachsen ist. Sie stand für ihre gestorbenen Träume, für den Schmerz und für all das was ihr das Leben zur Hölle machen wollte. Aber auch für Ihre Hartnäckigkeit, den Unwillen aufzugeben. Den Drang stetig weiterzugehen und jedes Hindernis zu zerschmettern, dass sich ihr auf dem Weg zu ihren Zielen entgegenstellte. Sie bedeutete überleben, zu jedem Preis, egal ob körperlich oder geistig.
      Mittig liefen zwei Teppiche hindurch, die aneinander gelegt waren und den Weg zwischen den beiden Seiten symbolisierte. Den Weg den sie nun versuchte zu beschreiten.

      Wie mittlerweile jeden Tag schritt sie den Teppich entlang, bis kurz vor der Grenze, wo die beiden Teppiche aneinanderstießen. Schräg vor ihr standen Brunnen und Schreckensstatue, so dass sie sich am Rande ihres Sichtfeldes befanden. Statt sich hinzuknien, wie sie es üblicherweise tat, blieb sie stehen. Sie musste sich bewegen können, ihren Emotionen freien Lauf lassen. Es war ihr noch nie schwer gefallen sich ihren Emotionen hinzugeben, es gab so vieles was sie schier zur Weißglut brachte und das Feuer in ihr entzündete. Die Fähigkeit quasi auf Knopfdruck wütend zu werden, hatte sie auf Korriban gelernt und ihr Überleben dort gesichert. Je mehr sie sich in den Kampf hineinsteigerte, desto mehr konnte sie sich in ihren Emotionen versinken, bis nichts anderes mehr ihr Herz erfüllte als die Melodie des Hasses, zu der sie einen tödlichen Tanz vollführte. Doch danach fühlte sie sich immer wie ausgelutscht, es fraß an ihrer Kraft und ließ sie mental ausgelaugt zurück.
      Sie wollte aber sein wie Concabille, erfüllt von einem kühlen Zorn, der präzise schnitt wie ein Skalpell durch bloßes Fleisch. Jeden Tag vollführte sie mittlerweile diese Übung. Ihre Emotionen sollten ein Katalysator ihrer Macht sein, und nicht das ausführende Organ ihres Körpers.

      Zunächst startete sie ihre Meditation, die tägliche Übung zeigte langsam Wirkung, sie brauchte nur noch knapp eine dreiviertel Stunde um sich in Meditation zu versetzen. Den Rücken gerade, ihre Lichtschwerter deaktiviert, und das Kinn auf die Brust gesenkt stand sie da, und ging ihren Weg durch den mentalen Wald. Disziplin gehörte von jeher zu ihr, aber das was sie hier versuchte war neu. Im Geiste bewegte sie sich zum Zentrum ihrer Emotionen. Wie eine schwelende Glut lag ihr Zorn vor ihr, bedrohlich und zeitgleich faszinierend erzählte er förmlich die Geschichte ihres Lebens.
      Ihre Zufriedenheit dagegen sah gar nicht so schlimm aus, wie sie erwartet hatte, zwar nagten Angst und Gier an ihren Gliedern, aber weder war sie völlig abgenagt, noch sah sie aus wie ein Mastschwein kurz vor der Schlacht. Sie war gerade so hungrig, dass sie eigentlich recht glücklich war, ohne dass ihre Motivation, die Welt um sich herum zu verändern, einschlief.
      All diese Emotionen waren ein Teil von ihr, die Jedi verbannten sie, aus Furcht vor ihrer Macht. Aber dies war nicht in ihrem Sinne. Sie waren ein Teil von ihr, wie ihre Arme und Beine und so sollten sich auch diese ihrem Willen beugen und nicht andersherum. Sie konzentrierte sich auf ihre Emotionen und baute mit Willenskraft eine Kugel aus Disziplin und Selbstbeherrschung darum auf, die durch einen schmalen Trichter mit ihrer Willenskraft verbunden war.

      Nachdem dies geschafft war, begann sie langsam mit ihren Übungen, mit geschlossenen Augen visualisierte sie sich ihre Gegner, hieb Attacken und parierte unsichtbare Schläge. Mit der Zeit steigerte sie sich immer mehr in ihren Kampfstil hinein, wie sie es auf der Akademie gelernt hatte entfachte sie die Glut ihres Zorns erneut, indem sie sich den Ärger mit Shanni ins Gedächtnis rief und diesen weiter anschürte. Immer schneller wurden ihre Bewegungen, sie visualisierte sich weiter ihre Gegner, schlug Präzise Attacken, wehrte andere ab. Stück für Stück ließ sie den Zorn aus seinem Gefäß gleiten, nutzte ihn und lenkte ihn...Anfangs.
      Je länger sie sich ihrer Übung hingab, desto heißer brannte ihr Zorn, stellte ihre Disziplin und ihre Selbstbeherrschung auf eine starke Probe. Sie folgte weiterhin ihrer Imagination, sprang quer durch den Raum, oder rutschte auf den Knien über den blankpolierten Boden ihr Kampfstil wurde immer akrobatischer, je heißer der Zorn in ihr brannte. Immer schwerer wurde es für sie die Kontrolle zu behalten, bis der Schutzwall den sie gezogen hatte dahin schmolz, wie Eis in einem Hochofen. Der Zorn füllte sie aus, umgab sie, er sprudelte aus ihr heraus ungerichtet und wild. Er verlieh ihr Kraft, das Gefühl der Unbesiegbarkeit durchflutete sie. Ihre Schläge waren nicht mehr präzise, sondern wilder und chaotischer, aber nicht weniger tödlich, wären sie gegen echte Gegner gerichtet. Sie folgte der Melodie ihres Zorns, tanzte nach seinen Noten, das gelb ihrer Sithaugen nahm zu und verdrängte das grün, während sie wie ein Derwisch durch den Raum wirbelte. Schließlich ein letzter Sprung, landete sie in gehockter Stellung, ihre rechte Faust krachte auf die Marmorfliesen und sie blieb keuchend einige Zeit so sitzen. Sie war bemüht sich zu beruhigen und Kraft zu sammeln, während das gelb ihrer Augen allmählich wieder zurück wich.

      Sie würde noch viel üben müssen.
    • Sie hätte doch die Maske tragen sollen, als Lord Vastor zu Besuch kam. Natürlich sind ihm die Augen aufgefallen, natürlich missfiel ihm dies und natürlich musste er sie darauf ansprechen. Damit war ihr nicht viel anderes übrig geblieben, als ihm einen Teil ihrer neuen Überzeugungen mitzuteilen, die sie dazu gebracht hatten, den Sith-Kodex neu zu deuten. Auch wenn er überraschenderweise mit einigen dieser Ansichten konform ging, war er dennoch in den zentralen Punkten anderer Meinung.

      Ihrer Meinung nach war die Unterteilung der Macht in die dunkle und die helle Seite unglücklich gewählt. Die Bezeichnung implizierten einfach, zumindest vom Klang her, dass die helle Seite etwas Gutes und die dunkle Seite etwas Böses verkörperte. Natürlich war das Schwachsinn, weder war hell gut, noch war dunkel böse...überhaupt war gut und böse Schwachsinn. So dachten nur diejenigen, die entweder zu klein oder zu schwach oder nicht willlens waren für ihre Überzeugungen einzutreten und zu kämpfen. Stattdessen erwarteten diese, dass ihnen das was sie wollten umsonst dargeboten, da es ihnen Zustand...umsonst war nur das Sterben. Nichts desto trotz hatte es diesen Beigeschmack, ihrer Meinung nach waren statische Macht und fließende Macht bessere Begriffe. Da sie eher mit dem konform gingen, wozu sie genutzt wurden.
      Lord Vastor war allerdings der Meinung dass die Begriffe passend waren, da die helle Seite die Oberfläche der Macht darstellte und die dunkle Seite die Geheimnisse darunter. Sie stimmte damit überein, dass es zwei Seiten eines Ganzen waren. Aber die helle Seite nur als Oberfläche anzusehen, hielt sie für falsch, nicht umsonst entstammt das Wort oberflächlich dem gleichen Wortstamm. Auch dort musste es tiefere Geheimnisse geben, deren Ausrichtung nur völlig anders als die der dunklen Seite waren.Und wenn es sie gab, dann würde sie sie finden.

      Abgesehen davon plante er etwas, noch war ihr nicht klar was, aber er versuchte sie gegen den alten Herrn aufzubringen. Weil er sich nicht ausreichend um sie kümmerte. Sich nicht um ihr Wohl sorgte und sie in die Geheimnisse der Macht einwies. Er meinte, dass es seine Pflicht als Meister wäre, sie in die Geheimnisse einzuführen, sie anzuleiten und ihr den Weg zu zeigen, anstatt sie als besseres Werkzeug anzusehen. Aber wenn man das ganze mal ehrlich betrachtete, dann war sie einfach nur ein besseres Werkzeug und Lord Vastors Methoden ähnelten den ihren...wie konnte er glauben, dass sie das nicht durchschaute. Aber wenn er ihr anbot, dass er ihr die Geheimnisse der dunklen Seite zeigen und offenbaren wollte, so würde sie dazu nicht nein sagen. Zunächst sollte sie dem Alten davon auch nichts sagen, es war ein möglicher Trumpf und am Ende musste man sehen, wie man ihn am geschicktesten ausspielen konnte.
      Für irgendetwas hatte er sie auserkoren, sie sollte eine Rolle in seinem Spiel spielen, ihr war nur nicht genau klar welche. Aber um dies herauszufinden, blieb ihr nichts anderes übrig als mitzuspielen. Eine Falle identifizierte man am besten, indem man hineintrat.

      Auf jeden Fall sollte sie sich Bücher von Korriban besorgen, zwar hatte sie nicht die Zeit dort zu verweilen und die alten Sith-Holocrone durchzuarbeiten, aber eventuell reichten für den Anfang Tagebücher und andere Aufzeichnungen von Sith vergangener Tage. Es war zwar unwahrscheinlich, dass sie dort etwas von wahrem Interesse fand. Aber vielleicht fand sie Ansatzpunkte und Ideen, die ihr die Möglichkeit gaben, den weiteren Weg zu entdecken. Gut...welche Namen sollte sie auf diese Liste setzen

      Sorzus Syn
      Naga Sadow
      Darth Malgus
      Darth Aroval

      Sie sollte echt schauen, ob sie etwas mehr über den alten Knochen fand.
    • Sie ließ sich in den Sessel sinken, zog die Maske vom Gesicht und warf sie vor sich auf den Schreibtisch. In letzter Zeit war viel passiert, sie musste genau nachdenken, wie sie aus all dem am besten Gewinn ziehen konnte. Aroval hatte sie gewarnt, sich nicht in ihren eigenen Netzen zu verfangen und diese Gefahr war durchaus real. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass ihr alles aus den Händen glitt und sie ihren Weg verlor, es war notwendig, dass sie sich diesen immer wieder ins Gedächtnis rief.

      Die Geschichte mit Shanora war noch immer kompliziert, wenn auch nicht hoffnungslos. Auf jeden Fall benötigte es sorgfältige Planung. Schlimmer war jedoch, dass immer mehr Leute ein Interesse an ihr entwickelten und dieses den Schutz ihrer Schwester immer komplizierter gestaltete, vor allem da es zeitgleich auch um ihre Nichte und ihren Neffen ging. Sie musste dafür sorgen sie abzusichern, Shanni war wichtig für sie, ein elementarer Bestandteil ihrer Absichten, aber wie sollte sie dies bei den gegebenen Umständen am besten tun. Sie musste vorsichtig sein, beobachten und im richtigen Moment ihre Strippen ziehen…Sie hatte Kontakte, diese würde sie nutzen.

      Vielleicht konnte sich ihre neue Beziehung mit Lord Nudarah in der Situation als hilfreich erweisen. Das Gespräch mit diesem lief nach ihrem Geschmack, zwar hatte er anfangs probiert sie übers Ohr zu hauen, forderte Dinge von großen Wert und war nicht bereit eine angemessene Gegenleistung zu offerieren, aber mit etwas wohl dosierter Frechheit, bei gleichzeitiger Respektbekundung, war es ihr möglich die Bezahlung hoch zu handeln. Für jeden Dienst, den sie ihm gewährte, einen gleichwertigen Dienst des Lords. Aber sie sollte ihre Wahl mit Bedacht treffen. Darüber hinaus sollte sie sich genau ansehen was er von ihr wollte, was sich daraus am Ende ergab, es würde ihr unschätzbare Einblicke in die Strukturen der Mächtigen geben, wenn es ihr gelang.
      Ein Sith wie Shi’rar war mächtig, sie glaubte nicht, dass sie in der Lage war diesen in einem direkten Kampf zu bezwingen, dafür konzentrierte er sich zu stark auf diesen einen Weg, aber ihre Kraft lag darin, dass sie genau dies nicht tun musste. Macht lag nicht nur in einem selbst und seinen Fähigkeiten im Kampf, auch wenn diese wichtig waren, sie lag darin sein Umfeld beeinflussen zu können, auf mannigfaltige Weise, denn nur dadurch war man flexibel und konnte auf verschiedene Arten reagieren um den Sieg davon zu tragen. Er vertraute ihr nicht, das war auch nicht nötig, der Meister testete ihn und sie würde ihn beobachten. Es würde sich zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt war, an seinen Aussagen konnte man sehen, auf die billige Art wie er versuchte sie zu reizen, dass er nicht die Hälfte von dem wusste, was sie erreicht hatte und über was sie gebot. Wenn das, was sie von Concabille erfahren hatte, der Wahrheit entsprach, dann war er lediglich ein Bauer auf einem Schlachtfeld, auf dem der Meister Figuren wie die seine zu entsorgen suchte. Das bedeutete natürlich nicht, dass es mit ihr anders war, aber sie war sich sicher, dass sie weit weniger ersetzbar war, wenn sie dem Meister keinen Grund gab genau dieses zu tun. Völlig egal was ein Sith wie Shi’rar von ihr dachte. Er hielt sie für nicht Vertrauenswürdig, für jemanden der keine Erfolge vorzuweisen hatte, dies sollte er ruhig tun, desto weniger war er in der Lage einzuschätzen, wozu sie in der Lage war.
      Er war der Meinung, dass sie die Wege der Sith nicht verstand, dass man keine Macht erlangen konnte, indem man auf Höflichkeit pocht. Dennoch pochte er auf etwas wie Vertrauen und Loyalität, da fragte sie sich, wer die Art der Sith nicht verstand, oder die Bindung die zwischen Meister und Schüler bestand. Dennoch wollte sie unbedingt in Erfahrung bringen, was der Meister plante. Concabille wollte es ihr nicht sagen und ihn fragen konnte sie nicht. Welche Sorgen Concabille auch immer quälten, vielleicht hatte der Meister in seinem Plan auch Recht und war nur zu sehr dem Wahnsinn verfallen, um diesen Plan zu Glanz zu verhelfen. Sie würde sich in Geduld üben und beobachten, sie würde es schon noch erfahren wenn die Zeit dazu reif war, bis dahin gab es für sie dringendere Probleme zu behandeln. Sie musste Vorsorge treffen, davon durfte sie sich weder von einem Schläger wie Shi’rar ablenken lassen, noch durch Dinge, die sie derzeit nicht beeinflussen konnte. Es gab noch viel zu tun, wenn sie ihr Ziel erreichen wollte. Zumindest schien Shi’rar nun nicht mehr darauf bedacht sie zu stören…sehr gut.

      Mit einem Lächeln auf den Lippen erhob sie sich, sie musste das zweite Treffen mit Slade Grey vorbereiten, das Handelsabkommen mit Andayen war wichtig, es war ein weiterer Schritt, sich etwas Eigenes aufzubauen und diesen Schritt durfte sie nicht vermasseln. Es würden noch viele Schritte folgen, Schritte auf einem Pfad, den die Sith in ihrer Gier aus den Augen verloren hatten. Sie musste aufpassen ihnen nicht zu folgen, denn das wäre ihr eigener Untergang, wie es der Untergang der Sith sein würde, wenn sie ihre Fehler nicht langsam begriffen und aufhörten sich selbst zu zerstören. Und vielleicht, gelang es ihr auch Amon auf ihre Seite zu ziehen, er begann zu zweifeln, sie musste überlegen, wie sie ihn am besten an sich binden konnte.
    • Die „Heart of Courage“ glitt durch den Hyperraum auf ihrem Kurs nach Alderaan. Concabille saß im Cockpit, gehüllt in bequeme Kleidung im alderaanischen Stil, die Beine hochgelegt auf eine nahe Konsole und eine Tasse Tee neben sich, dessen Geruch sich im Raum ausgebreitet hatte. Im Raum, der an das Cockpit der Fury angrenzte hörte man Ghurab trainieren. Dromund Kaas, Tatooine, Jaguada entfernten sich immer mehr doch die Gedanken an das Geschehene blieben und pochten immer heftiger hinter der Stirn der Frau. Diese „was ist wenn“-Gedanken. Was ist, wenn herauskommt, wer die Jedi warnte, damit sie ihren Ordensbruder vor dem Zugriff des Imperiums retten können. Weder Ghurab noch Sheysa wussten von Concabilles Verrat und das sollte auch so bleiben. Es war besser so – zu ihrem eigenen Schutz.

      Der Tee war heiß und ungesüßt, doch er wärmte von innen, wenn auch nicht so kraftvoll wie der Thulsche Wiskey, den sie vor wenigen Tagen noch genossen hatte, aber man blieb klar im Kopf und das war in dieser Situation wohl nun am wichtigsten. Sheysa hatte auf Alderaan inzwischen einige Probleme und Angst, dass Aroval ihr misstraute und auch auf Shanora war ein Bluthund angesetzt worden. Ob das auch Arovals Befehl war?
      Ihre Gedanken glitten ab. Alderaan. Einst Schlachtfeld und Heimat zugleich. Vor fast einem Jahr hatte ihr „Verrat“ begonnen, als sie Kräfte um Hilfe bat, die nun ihren Lohn forderten. Damals hatte es mit einem schlichten Brief begonnen.

      Hochverehrter Meister Alde,

      mögen Eure Ziele Euch stärken und Euch auf Eurem Wege vorwärts bringen.

      Ich wende mich an Euch in einer dunklen Stunde, in der ich erkenne, dass meine Macht nicht ausreicht und ich nun nichts weiter zu tun vermag, als einem alten Mann das Sterben zu erleichtern, der mir wie ein Vater war. Dem Tode näher als dem Leben klammert er sich an mich und an eine Existenz, in der er seine Ziele noch nicht erreichen konnte. Er war ein Mann mit Visionen, die er in einem Regime, das nur den Starken belohnt und alles Neue bekämpft, nie offen äußern konnte. Ich erbitte Eure Hilfe, Meister Alde, nicht für mich, sondern für diesen alten Mann. Ich wende mich an Euch, weil Ihr trotz aller Macht, die in Euch wohnt, ein Mensch geblieben seid, der trotz der Doktrinen seines Ordens, sein Herz behalten hat. Sollte man diesem Mann helfen können, bin ich bereit einen Preis zu zahlen, der mich im Kreise der Meinen zum Verräter werden lassen kann, wenn Ihr diesen Preis fordert.

      Ich werde Euch für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Wenn Ihr dazu bereit seid, dann lasst über dem Banner Eures Hauses, das direkt auf dem Hauptgebäude, dort wo Eure Cousine residiert, einen weißen Wimpel wehen. Dann wartet meine nächste Botschaft ab.

      In Ehrerbietung

      G.


      Concabille seufzte wieder, nahm einen Schluck aus der Teetasse und ließ ihre Gedanken wieder freien Lauf, die sie noch tiefer zurück in die Vergangenheit führten, hin zu dem Tag, als das herbstliche Laub der Rebstöcke in der bereits tiefstehenden Sonne Alderaans golden leuchtete.
      Idyllisch lag das unscheinbar aussehende, überschaubare Weingut an den Hang geschmiegt, nicht weit entfernt vom inzwischen gut befestigten Anwesen des Hauses Garrde. Nur wenige Wesen wussten, dass sich hinter diesen unscheinbaren Mauern der erhabene Darth Aroval zu Studienzwecken zurück gezogen hatte, zusammen mit seiner engsten Dienerschaft und nur einer seiner engsten Diener wusste, welches Geheimnis diese Mauern tatsächlich verbargen.

      Schon lange hatte man den Lord nicht mehr durch die Gänge seines Hauses wandeln sehen und der alderaanische Wein, den er sonst immer so geliebt hatte, blieb unangetastet, die halbfertige Meditationskammer im Keller des Hauses, war verschlossen und nur einer war der Zutritt gestattet: Concabille. Woher diese Sith kam, wie lange sie schon bei ihm war, schien damals zu den privaten Belangen zu gehören, über die der Darth niemals ein Wort verloren hatte. Nun war sie es, die für ihn ein Geheimnis bewahrte, die verschwieg, dass sie ihn gefunden hatte, sterbend in der Ritualkammer, fast zerrissen durch die Macht, die er mit seinem Willen nicht kontrollieren konnte.

      Zu jung, die Macht eines Darths an sich zu reißen, zu besorgt sein Verschwinden könnte unangenehme Folgen für sie haben, entschied sie sich den sterbenden Körper des Darth in Kryostase zu setzen, die Türen seiner Ritualkammer zu verschließen und fortan in seinem Namen seinen Willen zu verkünden. Bis zu dem Tag, an dem ein andere Vasall des Darths dieses Anwesen gewaltsam betreten wollte um ihn zu sprechen.

      Sie hatte mit Aroval Alderaan verlassen, war zurück nach Dromund Kaas gekehrt, hatte Lord Tragos und Amon Stryder über den Zustand des Darth aufgeklärt und ihn dann gemeinsam mit Tragos und Stryder im Keller der Kaserene des 17. Sturmregiments zu den „Akten gelegt“. Das sicherste Versteck im ganzen Imperium. Niemand interessierte sich für alte Akten, in denen die Inventarisierung der Kaserne abgelegt war.

      Diplomatie ist die Kunst, einen Hund so lange zu streicheln, bis Maulkorb
      und Leine fertig sind.
      [Felix Faure, franz. Politiker, 1841-1899]





    • Nachdenklich fuhr sie sich über den Bauch und beobachtete dabei ihr Spiegelbild. War dort eine leichte Wölbung zu sehen, oder war es nur Einbildung? Sie spannte ihre Bauchmuskulatur an, sofort bildeten sich diese durch die Haut ab, ein gewohnter Anblick. Dennoch fühlte sie sich ein wenig aufgebläht und die eine oder andere ihrer Hosen fing langsam an ein wenig zu spannen, wie praktisch, dass sie auf Alderaan hauptsächlich Röcke trug, das machte es ein wenig einfacher.

      Ihr Blick glitt weiter nach oben, die deutlichste Veränderung hatte bisher ihr Busen mitgemacht, er war größer als vorher…sichtbar und fühlbar. Sie drehte und wendete sich vorm Spiegel, auch wenn ihr der Anblick gefiel und sie der Meinung war, dass es ihr gut stand, missfiel ihr daran eines. Und das war nicht, dass sie neue Büstenhalter benötigte, auch wenn es von der Thematik nicht weit entfernt war. Das Problem lag darin, dass ihre Panzerung zu eng wurde, es drückte und quetschte und das behinderte sie in ihren Bewegungen.

      So begann das kleine Ding in ihrem Bauch sie allmählich hilflos zu machen. Erst passte sie nicht mehr in ihre Kampfausrüstung, dann wurde sie fett und schwerfällig. Zum Glück basierte ihr Einfluss nicht nur auf ihren Kampffähigkeiten. Das änderte nichts daran, dass sie die bevorstehende Schwäche hasste, sie musste sich vorbereiten, es würde sie angreifbar machen. Zum Glück hatte sie noch nicht viele Feinde, aber bereits zwei fremde Lords interessierten sich für sie und das war beim besten Willen nicht der richtige Zeitpunkt um einen Augenblick der Schwäche zu haben. Aber daran konnte sie nichts ändern, es kam wie es kommen sollte und das kleine Ding in ihrem Bauch, dieser Mensch im Miniaturformat, eröffnete ihr neue Möglichkeiten, die sie anders nicht so schnell erreichen würde. Wieder glitt ihre Hand zu ihrem Bauch und blieb dort liegen, ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Dieses kleine etwas würde ihr gute Dienste leisten, sie durfte nur nicht zulassen, dass es sie angreifbar machte… sie schnaubte leise, dann wendete sie sich vom Spiegel ab und kleidete sich gemächlich an.

      Es war ein gefährliches Spiel, das sie spielte und einiges darin konnte ganz übel auf sie zurück fallen. Ein Spiel…Concabille hatte sie angemeckert, weil sie alles als ein Spiel betrachtete. Aber genau das war es doch…ein Spiel. Je mehr sie sich in letzter Zeit mit ihrem selbst beschäftigte, desto mehr drängte sich ihr die Frage nach dem warum auf. Warum das alles, was war der Sinn des Ganzen? Was war der Sinn des Lebens?
      Die Antwort war so simpel, der Sinn des Lebens war es weiter zu leben, weiter zu gehen. Es drehte sich immer ums Gewinnen und ums Verlieren. Wenn man einmal zu viel verlor, dann war es zu Ende…Game Over…Tod…Aus. Warum sollte man es also nicht als ein Spiel ansehen. Man konnte sich verkriechen und verstecken, aber es änderte nichts, wer nicht aktiv spielte, mit dem wurde gespielt, so oder so… Man war Teil des Spiels.

      Sie strich sich ihren Rock glatt und ging zurück zum Spiegel. Die Person, die sie daraus anblickte, hatte sich daran gewöhnt dieses Spiel zu spielen. Vor nicht allzu langer Zeit war sie noch ängstlich gewesen, unsicher und allein. Heutzutage stellte sie sich vor einen Lord, wies ihn zurecht und feilschte mit ihm um Belohnungen. Sie spielte ein Spiel um Macht, um Einfluss und ums überleben. Sie spielte es für sich und für die, die ihr nahe standen. Erfolgreich in diesem Spiel zu sein, bedeutete sein Schicksal zu erfüllen.
      Alleine war es schwer in diesem Spiel zu bestehen, sich mit anderen Spielern zusammen zu tun bedeutete sich den Rücken frei zu halten. Concabille, Shanora…das waren die Verbündeten ihrer Wahl. Aber bei Shanora war sie sich nicht sicher, ob sie sich je auf sie verlassen könnte. Aber sie musste es versuchen, sie war… Familie.






    • „Fickt euch doch alle ins Knie“ fluchte sie leise bei sich, als sie die Treppe nach dem Gespräch mit Concabille hinuntereilte. Conca hatte es wieder getan, wie ihr das auf den Sack ging. Vor nicht allzu langer Zeit hätte sie das wohl als gegeben angesehen, aber die Zeit hatte sich weiter gedreht und das ging ihr gerade extrem auf den Sack. Was auch immer das ganze Gelaber sollte, sie war mitten zwischen die Fronten von Leuten geraten, wo sie keinesfalls mittig zwischen stehen wollte. Daher war es Zeit die Notbremse zu ziehen.
      Zischend fuhr die Tür zu ihrem Zimmer vor ihr auf und sie eilte hinein. Ohne anzuhalten hielt sie auf ihren Schrank zu und öffnete diesen, sie schnappte sich eine ihrer Taschen und packte die wichtigsten Dinge ein. Das Com, welches sie für Shanni nutzte und das für Hersh, nahm sie mit, ihr eigenes warf sie aufs Bett. Kleidung, Datapad, Zahnbürste und sonstige Waschutensilien wurden in die Tasche gesteckt, genauso wie einiges an Credits und ihrer eigenen Kontokarte.
      Nochmal blickte sie sich im Raum um, ihre Lippen waren zusammengepresst, was sie noch alles gebrauchen konnte, dabei blieb ihr Blick auf dem Modell der Defender hängen, was auf ihrem Nachttisch ruhte. Dieses Modell stand für alles, was sie hinter sich lassen wollte. Wütend wischte sie mit ihrer Hand von rechts nach links, und das Modell folgte der Schlagrichtung, von unsichtbarer Kraft getroffen und zerschellte an der gegenüberliegenden Wand. Mit grimmiger Genugtuung betrachtete sie wie das kleine Modell auseinanderbrach. Dann warf sie die gepackte Tasche ebenfalls auf das Bett.

      Sie verließ ihr Zimmer und ging hinüber zu den Dienstbotenquartieren, ohne anzuklopfen öffnete sie die Tür von Andria und trat ein. Diese lag in ihrem Bett und war tief am schlafen, ein leises schnarchen war von ihr zu hören. Sheysa trat auf sie zu und griff mit ihrer Hand in das schwarze Haar ihrer Dienstbotin, mit einem kräftigen Ruck riss sie ihr ein Büschel Haare aus. Mit einem schmerzerfüllten Schrei wachte diese aus ihrem Schlummer auf, aber Sheysa war schon auf dem Weg das Zimmer wieder zu verlassen, nur der verstörte Blick Andrias folgte ihr. Schnurstraks ging sie in ihr Büro, füllte die Haare in eine kleine Plastiktüte, dann nahm sie einen Bogen weißes Papier und schrieb handschriftlich eine Botschaft auf diese.


      Grüß dich Shanni.

      Sie will sich nicht mit dir treffen, hatten einen großen Streit. Ich schicke dir ein paar Haare aus ihrem Bett, du wirst schon wissen, was du damit anstellen musst und du wirst sehen, dass ich Recht habe. Niemand darf erfahren, dass sie noch lebt.

      -S-

      Den kurzen Brief und die Plastiktüte mit den Haaren füllte sie in einen Umschlag, adressierte ihn an Shanora und legte ihn ins Postausgangsfach. Einen Moment blieb sie noch sitzen und strich mit ihrer Hand gedankenverloren über ihren Schreibtisch, dann wandte sie sich dem Computer zu und deaktivierte alle Sicherheitssysteme, inklusive der Kameras und der Kampfdroiden. Erneut erhob sie sich und ging zurück in ihr Zimmer. Dort angekommen entledigte sie sich der teuren Kleidung und schlüpfte in einfache Gewänder, schnappte sich ihre Tasche mit den wichtigsten Dingen und ging hinab in den alten Weinkeller. Sie blieb vor einem massiven Holzregal stehen, betrachtete es kurz, dann schob sie es mit der Macht vorsichtig beiseite. Dahinter kam ein alter Fluchttunnel zum Vorschein, noch einmal blickte sie sich um, dann trat sie in das Loch und zog das Regal hinter sich wieder zu.

      Als sie durch den dunklen Tunnel eilte war sie fieberhaft am überlegen, wo sie am besten hingehen sollte. Sie brauchte Abstand, musste ihre nächsten Schritte planen. Aber ein Hotel war keine gute Wahl, darüber war sie zu schnell zu finden, ebenso könnte sie nicht über den Raumhafen den Planeten verlassen. Sie konnte aber auch keinen ihrer Verbündeten aufsuchen, es gab niemanden, an den sie sich momentan wenden konnte. Am besten blieb sie in zunächst in der Wildnis, suchte sich dort eine geschützte Stelle und dachte erst einmal gründlich nach.
      Am Ende des Tunnels angekommen, öffnete sie den verdeckten Eingang und stieg hinaus. Tief atmete sie die kühle Nachtluft ein und zog den Mantel enger um ihre Schultern, dann tarnte sie den Zugang auf ein Neues. Ein letzter Blick auf das dunkle Anwesen folgte, dann huschte sie in die Nacht hinaus.
    • Dunkel war es, man konnte kaum die Hand vor Augen sehen, sie konzentrierte sich auf ihre Sinne, nicht auf ihre Augen, die würden ihr hier nicht helfen. Sie lief durch die Felder, erst immer die Straße entlang, schließlich schlug sie sich in die Büsche, immer weiter bergauf führte sie ihr Weg.
      Zunächst musste sie einige Stücke des Weges auf allen vieren erklimmen, schließlich als es noch steiler wurde, kletterte sie die Steilwände hinauf oder sprang mit Machtverstärkten Sprüngen von Vorsprung zu Vorsprung. Als der Morgen langsam zu grauen begann, lies sie sich erschöpft auf einem Felsvorsprung nieder, hinter sich bildete eine Felsspalte einen natürlichen Schutz vor dem kalten Wind, der die Gipfel des Jurangebirges umwehte. Sie zog den Mantel enger um die Schultern und quetschte sich in die Enge der Spalte, bloß nicht hinuntersehen, an den Abstieg mochte sie gar nicht denken…hochklettern war viel leichter als runter.
      Die körperliche Aktivität hatte ihren Zorn hinweg gespült und mit Bedauern dachte sie an ihr Defendermodell, das ihrem Ärger nicht hatte standhalten können. Vielleicht ließ es sich ja reparieren. Und selbst wenn nicht, so trug es halt die Narben zur Schau, die sie innerlich trug.
      Nachdem sie ihrem ersten Impuls nachgegeben hatte, musste sie sich jetzt konfrontieren…weg zu laufen wie ein kleines Kind war eines, aber aus der Situation dann nichts heraus zu holen, das war etwas, das gar nicht ging.

      Sie stellte ihre Tasche vor sich hin und kniete nieder, sie legte ihre Hände auf ihre Oberschenkel ab. Wie so oft vorher, konzentrierte sie sich auf den Wald, durch den sie Schritt. Langsam bekam sie darin echt Übung und je öfter sie es tat, desto besser und schneller konnte sie sich in ihre meditative Trance versetzen. Aber nicht heute, hinter jedem Baum sah sie Concabilles Gesicht. Und egal wie sehr sie sich bemühte nicht hinzusehen, so nahm sie es beständig wahr. Sie zwang ihre Frustration herunter, aber auch dies half nichts. Stunden verbrachte sie so, bis sie schließlich vor Erschöpfung an den Felsen gelehnt einschlief.

      Als sie wieder aufwachte war die Sonne erneut untergegangen, ihre Glieder fühlten sich wie eingefroren an. Vorsichtig bewegte sie diese, um den Blutfluss anzuregen. Trotz allem, der Schlaf hatte ihr gut getan, sie sah jetzt einiges klarer als vorher. Sie sollte die Scherben zusammenfegen und einfach weiter machen. Aufgeben war nicht ihr Stil. Sie griff mit steifen Fingern ihre Tasche und kramte ihr Datapad hervor und aktivierte es. Kaum war es gestartet blinkte das Symbol für eingehende Textnachricht, sie tippte drauf und sie begann zu lesen „Hallo Schatz…“.

      Während sie las wurden ihre Augen immer größer und neuerlicher Zorn wallte in ihr auf…diese blöde Schlampe hetzte ihr direkt Aroval hinterher, nicht mal ein wenig Abstand gönnte sie ihr, sondern trat sofort nach. Sie verzog ihre Lippen zu einem aggressiven knurren, nicht mit ihr, dieses Spiel konnte sie selbst spielen. Sie atmete tief durch, wie war es nur so weit gekommen…war sie so blind gewesen? Sie tippte auf die Spracherkennung und Sprach die Nachricht für Aroval ein.

      Ruhm dem Imperium Meister.

      Ich muss euch mitteilen, dass ich mich gestern furchtbar mit Lord Concabille gestritten habe. Sie wollte, dass ich eine Handlung begehe, die alles was ich bisher erreicht habe zunichtemacht. Zwar habe ich ihr schlussendlich nachgegeben, aber jetzt muss ich versuchen den Schaden aufzufangen um es doch noch in einen Sieg zu verwandeln.

      Aber ich kann mich nicht konzentrieren, wenn Lord Concabilles Präsenz in meiner Nähe ist, sie treibt mich auf die Palme. Deshalb habe ich momentan das Anwesen verlassen, um klare Gedanken zu finden und werde aus den Scherben etwas Besseres aufbauen. Ich melde mich wieder, wenn es Neuigkeiten gibt.


      Hochachtungsvoll

      Sheysa Garrde


      Sie drückte auf den Senden-Knopf, sie sollte auch eine Nachricht an Amon schicken, wer wusste schon, was er sonst auf Alderaan auffahren würde, um sie zu finden.

      Hallo Schatz,

      mir geht es gut. Ich hatte einen Streit mit Lord Concabille und ich musste einfach nur raus um klare Gedanken zu finden. Aroval schickt Bluthunde hinter mir her? Ich habe ihn schon kontaktiert, dass lässt sich klären…Ich melde mich wieder.


      Sheysa


      Auch diese Nachricht sendete sie ab, danach deaktivierte sie das Pad und verstaute es erneut in ihrer Tasche, kramte aber gleichzeitig nach dem Com, dass sie für Shanora nutzte. Sie aktivierte die Holoaufnahme und beugte sich etwas vor

      „Shanni, ich habe mich furchtbar mit Concabille gestritten…können wir uns treffen?“

      Sie senkt den Blick ein Stück und sagt leiser „Ich brauche jemanden zum reden.“


      Sie verstaute alle Gerätschaften wieder in ihrem Rucksack, dann blickte sie sich um. Es war Zeit was zu essen zu finden, ihr Magen knurrte höllisch…hoffentlich gab es hier oben etwas zu erbeuten…
    • Ihr Blick wanderte über die Eisöde der Gipfel des Jurangebirges und seufzte leise, vielleicht hätte sie sich etwas zu essen einpacken sollen und Feuerholz. Sie nahm ihre Tasche und schulterte diese und machte sich an den beschwerlichen Abstieg. Hier hinauf zukommen, war nicht unbedingt eine ihrer besten Ideen, die sie bisher hatte.
      Der Abstieg erwies sich um einiges komplizierter als der Aufstieg, zwar konnte sie auch hier sich eine Etappen einfach fallen lassen und steuerte diesen Fall mit der Macht, aber in vielen Fällen war es ihr einfach zu heiß, so dass sie wesentlich öfter an der Wand hing und nicht wusste, wie sie sicheren Fußes weiter nach unten gelangen sollte, und daher erst wieder ein Stück hoch kletterte und sich einen anderen Weg nach Unten suchte.

      Die Sonne war schon im Untergehen begriffen und der Mond über Alderaan zeigte bereits sein Antlitz, als sie die Baumgrenze erreichte, doch die Anfänge des richtigen bewaldeten Hangs erreichte sie erst, als die Sonne schon untergegangen war. Ihr Magen knurrte vernehmlich und es war nötig sich erst einmal zu setzen um neue Kraft zu tanken. Nachdem sie sich eine Weile ausgeruht hatte stand sie wieder auf und blickte sich im Dunkeln um. Hier draußen, so weit von jeder Zivilisation entfernt, waren Nächte noch wirklich dunkel, wie damals auf Korriban, als sie allein in der Wüste…egal, sie war hungrig. Zumindest hatte sie mittlerweile ausreichend Möglichkeiten um zu lernen, wie man ohne Augen sehen konnte und es war echt hilfreich. Sie schloss ihre Augen und konzentrierte sich auf den sie umgebenden Fluss der Macht.
      Langsam und behutsam bewegte sie sich durch den dunklen Wald, auch wenn sie nichts sehen konnte und nicht wirklich wusste, was es war, so wusste sie doch, dass es dort war. Und ihr Eindruck von dem, was sie umgab, war vielfältiger, als sie es je mit ihren Augen hätte wahrnehmen können. Der nächtliche Wald war erfüllt von vielen Geräuschen, aber auch dem leisen Rascheln im Unterholz konnte sie die Ursache zuweisen, das war berauschend. Ihr Atem ging ruhig und tief als sie sich auf etwas zubewegte, das sich einige Meter von ihr entfernt bewegte.
      Es war knapp einen halben Meter groß, leise knackte es unter ihren Füßen, schlagartig verwandelte sich die Ausstrahlung des Wesens, sie wirkte aufgewühlt und startete sich zu entfernen. Sie riss ihre rechte Hand hoch, die Finger gekrümmt, als würde sie etwas greifen, die Ausstrahlung des etwas wurde immer unruhiger und zappeliger, dann verblasste sie mit einem mal. Sie zog es zu sich, ihr Abendmahl war bereitet, jetzt brauchte sie nur noch einen passenden Unterschlupf für die Nacht. Da jede Richtung so gut war wie die andere, kehrte sie zur Waldgrenze zurück und ging an ihr entlang. Auf ihrem Weg sammelte sie trockenes Holz für ein späteres Feuer, dabei wurde ihr auch bewusst, dass sie gar kein Messer mit sich führte, mit dem sie das Pelzige Ding häuten konnte. Sie schüttelte sachte den Kopf, sie sollte ihre nächste Flucht aus ihrem zu Hause echt besser vorbereiten.

      Irgendwann später, der Mond stand hoch am Himmel, hatte sie eine kleine Höhle gefunden in der sie es sich bequem gemacht hatte, in der Höhle gab es einen Tunnel, der weiter in das Gebirgsinnere führte, aber sie spürte wenig Drang diesen tatsächlich erforschen zu gehen. Sie aktivierte ihre Lichtschwert und rammte es in den Fels zu ihren Füßen, es dauerte nicht lange, da fing er an zu glühen und verströmte eine starke Hitze, sie deaktivierte ihr Schwert und hängte es sich wieder an den Gürtel. Im Anschluss verteilte sie das gesammelte Holz über dem glühenden Stein und schuf sich so ein kleines Feuer.
      Nachdenklich betrachtete sie ihr Abendessen, mit dem Lichtschwert würde es ihr nicht möglich sein es zu bearbeiten…aber vielleicht…sie stand auf und suchte die Höhle ab, als sie einen Stein etwas größer als ihre Faust gefunden hatte, der auch gut in der Hand lag, setzte sie sich mit diesem zurück ans Feuer. Erneut aktivierte sie ihr Lichtschwert und klemmte den Griff desselben zwischen ihre Schenkel und fuhr mit dem Stein vorsichtig an der Klinge entlang. Der Stein glühte auf und der Geruch nach…keine Ahnung…erfüllte die Luft, aber nach und nach formte sie so einen kleinen Faustkeil, den sie als Messer nutzen konnte.

      Bevor sie das nächstemal einen Wildnistrip übernahm, sollte sie echt ein paar Kochstunden nehmen, die Reste des Wesen die ihre Bearbeitung mehr schlecht als recht überlebt hatten, hingen auf einem Stock den sie über das Feuer hielt um sie zu garen. Nachdenklich betrachtete sie das Fleisch und nahm es vom Feuer, es sah durch aus.
      Leise kauend saß sie an ihrem kleinen Feuer, das Fleisch war zäh und hatte einen seltsamen Geschmack, aber das war ihr in diesem Moment egal, es war etwas zu essen. Und sie fühlte sich ganz gut, der Druck der letzten Zeit war von ihrer Schulter gewichen, nur wenn sie an Concabille dachte, durchzuckte sie immer ein Stich. Vielleicht sollte sie sich bei ihr melden…nein, sie schüttelte vehement den Kopf. Erst musste sich Shanni melden, wenn sie sich meldete. Üblicherweise tat sie das ja nicht, sie griff in ihre Tasche und zog das Com heraus, das für Shanni genutzt wurde. Auch nachdem sie es einige Zeit angesehen hatte, passierte einfach nichts und mit einem leisen Seufzer steckte sie es zurück

      Es war Zeit etwas Ruhe zu finden. Sie kniete sich hin,legte die Hände auf ihre Schenkel und ließ sich in Meditation versinken, wo ihr Ärger über Concabille verraucht war, ging es wieder leichter. Es ging auch generell immer besser, die tägliche Übung half ungemein.
      Sie streckte ihre Sinne aus, auf der Suche nach Concabille, wie sie es auch damals getan hatte, als sie sie gesucht hatte. Doch dann ließ sie davon wieder ab und versenkte sich in sich selbst und blendete ihre Umgebung völlig aus.
    • Wie sie das nervte, in letzter Zeit musste sie ständig auf Toilette, oder besser hinter den Busch und wenn sie es richtig in Erinnerung hatte, dann sollte es noch schlimmer werden. Wenn man nun den Punkt dazu nahm, dass ihre Hose begann täglich mehr zu spannen, dann waren die Anzeichen relativ eindeutig, mit jedem Tag der verging, verlor sie mehr und mehr die Fähigkeit sich selbst zu verteidigen, das gefiel ihr gar nicht. Nicht mehr lange und sie würde aussehen wie ein aufgeblasener Luftballon, schwer und behäbig. Und ausgerechnet momentan machte der Bluthund Arovals Jagd auf sie. Es war kein gutes Zeichen, dass sich ihr Meister gar nicht meldetet, das konnte nur bedeuten, dass er nicht gewillt war diese Jagd abzublasen. Zumindest war er so freundlich, ihr genau diesen Umstand mitzuteilen…zumindest indirekt. Auch wenn sie nichts dagegen hatte, dass er seinen neuen Bediensteten testen wollte…aber nicht an ihr!

      Sie war so dumm gewesen, der Bluthund war auf Alderaan und sie ist stiften gegangen…er hat ihr ohnehin nicht vertraut, jetzt würde sich das rächen. Und in ihrer derzeitigen Situation war es das letzte, was sie gebrauchen konnte, das ein Irrer mit Schwert danach trachtete, sie des Verrats zu überführen, vor allem wenn dieser Irre ein besonderes Talent in Sachen Folter besaß. Denn wenn sie darüber nachdachte, selbst wenn sie überlebte und dessen war sie sich recht sicher, da sie immer noch wichtig für Aroval war, ihr Baby würde es nicht und sie brauchte dieses Kind. Es war ein essentieller Bestandteil ihrer Pläne auf Alderaan und sie konnte schlecht, mit einem neuen aufwarten, frei nach dem Motto „War ja alles gar nicht schlimm“. Genauso wenig konnte sie die Trauer um dieses Kind entsprechend nutzen, es waren nicht die Signale, die sie setzen wollte. Daher musste dieses Kind leben. Es war schwach und wehrlos, eine abstoßende Kreatur, aber was noch viel schlimmer war, es machte sie schwach und wehrlos…das war doch alles Scheiße!

      Sechs Monate…eine unendlich lange Zeit musste sie überstehen…sie konnte sich aber nicht die ganze Zeit in der Pampa verstecken und sich von Wurzeln und verbranntem Klein-Getier ernähren. Sie musste zurück an die Arbeit. Aber sie musste einen Plan B haben, für den Fall dass dieser Irre in ihr Heim einfiel um sie zu kaschen oder was auch immer. Sie musste sicherstellen, dass sie sicher war, und damit, dass ihr Baby sicher war. Sie sollte sich an Concabille wenden, mit diesem Kindergetue aufhören und erwachsen werden. Ihr Dickschädel hatte ihr die Situation eingebracht, nun musste sie es ausbaden und bereinigen. Sie nahm ihr Datapad zur Hand und aktivierte es, immer noch keine neuen Nachrichten…egal…sie musste Conca eine Nachricht senden.

      Hallo Concabile,

      ich muss mich bei dir entschuldigen. Auch wenn ich nach wie vor denke, dass du falsch liegst, hätte ich dies vorher mit dir absprechen müssen und hätte es nicht einfach über deinen Kopf hinweg entscheiden dürfen.
      Wie ich gehört habe, hat Aroval seinen Bluthund hinter mir hergeschickt. Warum hast du es ihm direkt gepetzt? Ich dachte, wir stehen auf der gleichen Seite. Sobald ich die Sache wieder ins rechte Lot gerückt habe, will ich nach Hause zurückkehren, aber bisher hat sich Shanora noch nicht bei mir gemeldet. Ich befürchte, dass ich schon wieder ganz am Anfang stehe.
      Schlimmer ist jedoch, dass nun Shi’rar hinter mir her ist und dass sich Aroval nicht auf meine Nachricht hin meldet, kann nur bedeuten, dass er nicht gewillt ist diese Jagd abzublasen. Ich denke nicht, dass Shi’rar mich umbringen wird, aber ich vermute, dass er mich des Verrats überführen wollen wird, den er ohnehin vermutet und ich befürchte, dass das Baby dies nicht überstehen würde.

      Ich muss mich auf diesen Kampf vorbereiten, mit jeden Tag der vergeht, merke ich, dass die Hose immer mehr spannt, und dass bedeutet nicht nur, dass ich neue Hosen brauche, sondern, dass ich mich auch immer schlechter selbst verteidigen kann, je mehr Zeit vergeht. Und so sehr ich dies auch hasse, ich brauche Leute die auf mich Acht geben. Kann ich da auf dich und Ghurab zählen?
      Zusätzlich gedenke ich Lord Vastor und Lord Nudarah einzuspannen, ich bin mir nur nicht sicher, wie ich es am besten anstelle.

      Sheysa


      Sie sendete die Nachricht ab und deaktivierte das Pad wieder. Die Nacht brach erneut herein und es war an der Zeit wieder auf die Jagd zu gehen, danach würde sie sich dann einen Kopf darum machen, wie sie ihre Verteidigungsstrategie am besten aufbauen sollte.
    • Nachdenklich schaute sie auf das Com, noch immer lag es still und stumm vor ihr. Shanni meldete sich einfach nicht. Keine Meldung war auch eine Meldung. Sie griff zu ihrem Datapad und aktivierte dieses, sie rief die neuen Nachrichten ab, aber auch hier waren keine. Concabille hatte ihr auch nicht geantwortet. Nachdenklich stand sie auf und ging im Kreis. Sie konnte nicht ewig hier draußen bleiben und warten. So langsam hatte sie echt keine Lust mehr hier draußen zu leben, zu jagen und zu schlafen. Auch wen es anfangs ganz lustig war, mittlerweile ging es ihr einfach nur noch auf die Nerven. Zumindest wusste sie jetzt wo sie dran war, und wie weit sie sich auf Shanora in einem Notfall verlassen konnte oder aber, sie standen erneut am Anfang und Shanni hatte wieder einen riesen Hals auf sie. Langsam kotzte sie dieses ständige auf und ab an, konnte es nicht einfach mal vorwärts gehen? Musste für jeden Schritt voran, auch immer einer zurück erfolgen? Sie war es so leid.

      Sie schaute auf die ersterbenden Überreste ihres Feuers. Das Problem war, dass ihr keiner die ganze Wahrheit sagte, nicht mal Concabille, sie bewegte sich ständig durch einen Luftleeren Raum und man ließ sie nur dort hingehen, wo man sie haben wollte. Aber nicht indem man sie festhielt, sondern indem man ihr Stöcke zwischen die Beine warf, die sie immer wieder zum straucheln brachten. Vielleicht musste sie sich wirklich besser in das System einfügen, um dann besser abschätzen zu können, wie sie handeln sollte. Dies machte aber ihre momentane Situation nicht leichter, sie brauchte ihr Com, sie musste mit Nurdarah und Vastor sprechen. Aber ihr Com war zu Hause und dahin würde sie jetzt zurückgehen.

      Sie packte ihre Sachen ein und schulterte ihre Tasche. Ein letzter Blick glitt über ihr dürftiges Lager, dann verließ sie die kleine Höhle und wanderte hinab ins Tal. Tief atmete sie die kühle Luft ein und ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Das Leben war ein echt beschissenes Spiel. Die Wanderung durch den Wald erinnerte sie stark an ihre Meditationsübung und es hatte echt etwas entspannendes, wo man seine Sorgen vergessen konnte, wenn man denn nur wollte.

      Stunden später kam ihr kleines Anwesen ins Blickfeld, die Wachen patroullierten um das Gelände herum und die Wachdroiden standen in Position. Kurz überlegte sie, ob sie den Geheimgang nehmen sollte um wieder hineinzukommen, entschied sich dann aber dafür offen durch die Tür zu gehen. Sie war noch gute fünfhundert Meter vom Anwesen entfernt, als die Überwachungssysteme sie erfassten und sie scannten. Ruhigen Schrittes ging sie weiter, und ließ ihren Blick schweifen…sie war wieder daheim.